
Weltmeisterschaft ISSF vom 29.7. bis 10.8.2010
Das VISIER-WM-Tagebuch
Bemerkenswertes, Seltsames und (hoffentlich) Erfreuliches aus Hochbrück - an jedem WM-Tag spätabends neu.
WM Sportschießen 9. August 2010
Endspurt in München
Mit der Sportpistole der Damenklasse fand heute die letzte olympische Disziplin der 50. Weltmeisterschaft statt - wie leider schon Tradition ohne deutsche Starterinnen im Finale.
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 | Volle Zuschauerränge bei allen Durchgängen des Vorkampfs, als die Damen mit der KK-Sportpistole antraten. Beim Klick ins Bild: Zeitgleich war der Eingangsbereich der Schießanlage mit den Flaggen der 103 Nationen fast menschenleer...
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Heftiger Andrang für die acht Finalplätze der KK-Sportpistole: Allein sechs Sportlerinnen mit je 583 von 600 Ringen aus dem Voirkampf mussten in ein vorgeschaltetes Shoot-Off, das schließlich der Chinesin Su Yiling gegen Olena Kostevych (Ukraine) das letzte Finalticket einbrachte. Im Endkampf selbst ging es turbulent zu, einschließlich falscher Startkommandos und weiteren Stechschüssen - schließlich stand Kira Klimova (RUS) als neue Weltmeisterin fest. Die deutschen Schützinnen konnten das Finale von den Zuschauersitzen aus verfolgen, wollten dies aber nicht unbedingt: Dorjsuren Munkhbayar scheiterte mit noch guten 581 Ringen als 16. am Finale, Stefanie Thurmann mit 577 und Claudia Verdicchio-Krause mit 571 Ringen steuerten ihren Anteil zum 9. Platz in der Teamwertung bei. Damit blieb der Schützenbund im kompletten Erwachsenenbereich Pistole ohne Edelmetall, was Bundestrainer Peter Kraneis zwei Jahre vor Olympia 2012 Sorgen bereitet.
Erfolgreicher waren dagegen die Damen mit dem Grosskalibergewehr auf 300 Meter: Im Liegendschießen wurden Eva Friedel und Harriet Holzberger (je 595 Ringe) sowie Gudrun Wittmann (594) mit 1784 Ringen hinter Frankreich und vor Polen Vizeweltmeister.
Am morgigen letzten Wettkampftage fallen noch diese Entscheidungen: 300 m 3 x 40 Schuss Herren, 300 m 3 x 20 Schuss Damen und Skeet Herren. Die Ergebnisse aller WM-Wettbewerbe finden Sie komplett auf der ISSF-Website (in englisch) anschließend (hoffentlich) auch auf der deutschen WM-Website.
Das VISIER-WM-Tagebuch endet mit dieser Folge, auch wir reisen morgen abend wieder aus München zurück. Vielen Dank für die vielen Zugriffe in den letzten elf Tagen und die (manchmal auch korrigierenden) zustimmenden Mails. Ulrich Eichstädt
Wieder Silber für die deutschen Gewejr-Damen, diesmal auf 300 Meter und liegend: Von links Gudrun Wittmann, Eva Friedl und Dr. Harriett Holzberger.
Weltmeisterschaft Sportschießen 8. August 2010
Doppel(t) erfolgreich
Die eineiigen Zwillinge Andreas und Michael Heise aus Wiggensbach im Allgäu holen WM-Medaillen am laufenden Band.
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 | Michael Heise (von links), DSB-Bundesjugendleiter Josef Locher, Andreas und Jürgen Heise - die Erfolgszwillinge dürfen nächstes Jahr auch noch in der Juniorenklasse starten.
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"Den habe ich doch schon die Tage mal auf dem Treppchen gesehen!" mag mancher Zuschauer gedacht haben, als am Samstag Andreas Heise zusammen mit seinen Teamkameraden Aaron Sauter und Oliver Geis die Silbermedaille mit der Juniorenmannschaft "Standardpistole" entgegennahm. Klar - oder doch nicht? Die beiden eineiigen Zwillinge Andreas und Michael Heise (18 Jahre) dürften als Allroundtalente in die Geschichte dieser 50. Weltmeisterschaft eingehen. Zunächst gewannen die Brüder gemeinsam mit Tobias Piechaczek (Königsberg) am 1. August mit der Freien Pistole den Weltmeister-Titel der Junioren (den ersten Sieg für das deutsche Team überhaupt bei dieser WM). Andreas Heise holte zudem die Bronzemedaille im Einzel. Mit der Luftpistole wurde das Juniorenteam mit einem Schnitt von 566 Ringen zwar nur Sechster, einen Tag später holten die Heises aber wieder Mannschafts-Silber mit der KK-Sportpistole. Andreas Heise gewann insgesamt eine goldene, zwei silberne und eine Bronzemedaille - nicht schlecht, diese Bilanz aus vier Starts. Vater Jürgen Heise schaffte es bislang als "Familien-Manager" erfolgreich, die Zwillinge am Boden zu halten - immerhin starten sie bereits in die zweite Bundesliga-Saison mit der Luftpistole, und für das Junioren-Nationalteam sind beide ebenfalls oft unterwegs. Das nächste Mal zur Deutschen Meisterschaft 2010, die in drei Wochen an gleicher Stelle auf der Olympia-Schießanlage stattfindet - beide starten natürlich, aber der Saisonhöhepunkt war zweifellos die WM, auch wenn Andreas Heise als etwas erfolgreicherer Zwilling 2008 und 2009 den Einzeltitel mit der Luftpistole gewann und ihn - natürlich - verteidigen möchte. Trainerin Barbara Georgi kann stolz auf ihr "Pistolen-Doppel" sein, der Vater ist es sowieso... UE
WM Sportschiessen 7. August 2010
Gemeinsam geht's besser
Weltmeisterschaften haben gegenüber Olympischen Spielen drei Vorteile: es gibt nicht nur Einzel-, sondern auch Mannschaftswertungen und es gibt Medaillen für weitaus mehr Disziplinen, die sonst im Schatten von Olympia vor sich hin dümpeln.
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 | Pierre Michel aus Velbert, mit 570 Ringen ein Drittel des deutschen Silber-Teams mit der Standardpistole (DSB-Foto/Schreyer). Beim Klick ins Bild: Das Team des Sultanats Oman, erst seit 1983 im Schießsport aktiv und seither oft in Deutschland zu Gast - bei der WM sind 104 Nationen am Start.
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Zudem laufen die Welttitelkämpfe der männlichen und weiblichen Junioren parallel, und von allen drei Unterschieden profitiert das gastgebende deutsche Team. Auch am heutigen Samstag gab es vier Medaillen, alle silbern: Die Gewehr-Damen wurden Zweite im KK-Liegendschießen, und dies bei Ringgleicheit mit den USA-Girls nur durch deren höhere Zahl der Innenzehner: 111 zu 110, knapper geht's also nicht (die Einzelmedaillen werden in einem weiteren Wettkampf am Sonntag vergeben).
Die anderen drei Silbermedaillen wurden in der Disziplin KK-Standardpistole errungen - ein gutes Zeichen, da der DSB erst vor zwei Jahren ein Nationalteam für diese international geschossene Disziplin aufgestellt hat: Diesmal holten sowohl die Herren wie auch die männlichen Junioren Team-Silber, der Junior Aaron Sauter konnte sich zudem im Stechen den Vizeweltmeistertitel sichern (detaillierte Infos auf der DSB-Website). Sensationell angesichts der sonst ultrastarken Schützen aus den Ex-Ostblockländern: Nur ein einziger Ring fehlte dem DSB-Herrenteam dabei zum Titel, den China mit 1704 Ringen gewann. Die Bronzemedaille ging in diesem nichtolympischen Wettbewerb an Südkorea mit 1696 Zählern. In der Einzelwertung waren Pierre Michel und Christian Reitz mit jeweils 570 Ringen beste deutsche Schützen. Getrennt nur durch das Innenzehnerverhältnis kamen die beiden DSB-Schützen auf die Ränge sieben und neun. Michael Schleuter belegte mit 563 Ringen den 28. Platz.
Nachdem der Bayerische Rundfunk gestern eine beeindruckend positive und 45minütige Fernsehsendung unter "Blickpunkt Sport" gebracht hatte, waren inzwischen auch TV-Teams der ARD (am Donnerstag) und des ZDF (am heutugen samstag) auf der WM-Anlage in Garching-Hochbrück aktiv - leider an Tagen, die wenig Live-Highlights boten. Warten wir mal ab, ob die öffentlich-rechtlichen Sender auch öffentlich-ehrlich berichten. Ulrich Eichstädt
Ein eingespieltes Team: Hubertus Dowidat vom RWS-Schützen-Service und Nicole Heidemann, Produktmanagerin bei RUAG Ammotec (den meisten eher als RWS im Hinterkopf).
WM Sportschießen 6. August 2010
Ladies first
Mit einer Gold- und einer Silbermedaille in der Einzelwertung KK-Sportgewehr 3 x 20 Schuss sorgten die deutschen Damen für den erhofften Paukenschlag.
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 | Sonja Pfeilschifter (links) und die neue Weltmeisterin Barbara Lechner konnten ihre Freude über die zwei Medaillen kaum fassen. Beim Klick ins Bild: Ordentlich krachen liessen es die Chinesen im Finale mit der Schnellfeuerpistole, hier Yuehong Li (Bronze).
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Gestern zwar den Weltrekord in der Teamwertung eingestellt, und doch mit einem Ring gegen den neuen Weltrekordhalter USA verloren - in der heutigen Einzelwertung zeigten die DSB-Damen Barbara Lechner, Sonja Pfeilschifter und Eva Friedl ihr grosses Können. In dieser Reihenfolge als 1., 2. und 7. ins Finale der besten Acht eingestiegen, gaben Lechner und Pfeilschifter die Führung nicht wieder ab. Barbara Lechner, die ihrer linksanschlagenden Teamkollegin Sonja im Finale von Angesicht zu Angesicht gegenüberstand, konnte endlich einen "dicken" Einzelerfolg landen: Nach 589 von 600 Ringen im Vorkampf und 98,7 Finalringen wurde sie Weltmeisterin mit dem KK-Sportgewehr. Silber ging an Sonja Pfeilschifter (Ismaning/Foto links) mit 685,4 Ringen (Vorkampf 585/Finale 100,4) und Bronze an Annik Marguet (Schweiz) mit 681,2 Zählern (Vorkampf 582/Finale 99,2). Eva Friedel (Münstertal) rundete die herausragenden Leistungen mit einem achten Rang und 678,7 Zählern (Vorkampf 582/Finale 96,7) ab. Die ebenfalls mit Medaillenhoffnungen gestarteten, aber schon nach dem ersten Halbprogramm zurückgefallenen deutschen Schnellfeuerpistolen-Schützen konnten diese nich erfüllen. Christian Reitz hatte sich nach einem starken zweiten Halbprogramm von 294 und 582 Ringen ins Finale der besten sechs Schützen vorgekämpft, mußte aber, zwischendurch auf Bronzekurs liegend, seine Hoffnungen nach einer letzten schlechtern Serie mit dem 5. Platz begraben. Weötmeister wurde der Russe Alexei Klimov, der auch schon den Weltrekord hält, vor den Chinesen Yian Zhang und Yuehong L. Der dreifache Olympiasieger und mehrfache OSP-Weltmeister Ralf Schumann landete ringgleich mit dem Teamkollegen Philipp Wagenitz mit 574 Ringen auf den Plätzen 21 und 22.
Bei anhaltendem Dauerregen und "sichtbarem Atem" auf dem Pistolenstand hatten trotzdem zahlreiche Zuschauer den Weg nach Hochbrück gefunden - das gemeinsame Shuttlebus-Fahren vereint, denn auch mancher Bundestrainer und die Journalisten haben (im Unterschied zu manch prominenten Mal-kurz-vorbeischau-Gästen) keine Parkplätze auf der Anlage... Ulrich Eichstädt
Europameister Richard Dietsch traf zwar 596 der 600 möglichen Ringe mit dem Grosskalibergewehr im Liegendschießen, für einen der vorderen Plätze reichte es aber nicht. Weltmeister wurde der Österreicher Stefan Raser mit 599 Ringen, bei stürmischem "Sauwetter" eine tolle Leistung beider Schützen..
WM ISSF 5. August 2010
Zwischenbilanz
Freundliche Gastgeber sorgen dafür, dass sich die Gäste wohlfühlen - ein paar Medaillen mehr hätte das deutsche Team zur Haöbzeit aber durchaus sammeln können.
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 | Einmal einem deutschen Schützen oder einer deutschen Schützin eine Medaille hinhalten dürfen - das wär schon was... die Mädchen und Buben in (wechselner) bayerischer Tracht reichen die Medaillen für die Ehrungen an.
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Der Medaillenspiegel ist nicht nur bei Olympia ein probates Mittel, den Leistungsstand in einer Sportart miteinander zu vergleichen - wie im wahren Leben zeigt er schonungslos, wo Defizite bestehen. Zur gestrigen Halbzeit führt China mit 11 x Gold, 10 x Silber und 3 x Bronze vor Russland (8/5/7) und Italien (5/1/4). Nur Rang 6 für Deutschland (2/3/2), hinter der Ukraine und den Koreaner. Dabei sind die beiden deutschen Goldmedaillen (Luftgewehr Damen und Freie Pistole Junioren) Mannschaftssiege, bisher fehlt der begehrte (oder gleich mehrere) Einzeltitel. Das sollte sich heute am Freitag ändern - gestern legten die Damen mit dem Sportgewehr bei der Mannschaftsausscheidung mit dem Sportgewehr vor und holten eine Silbermedaille hinter den USA, die neuen Weltrekord schossen, heute folgt der Einzelwettkampf, und nicht nur die Münchener hoffen auf Weltrekordhalterin Sonja Pfeilschifter. Ob auch die einkalkulierten Medaillen mit der Olympischen Schnellfeuerpistole klappen, ist nach dem ersten Halbprogramm fraglich: Christian Reitz und Ralf Schumann liegen ringleich mit jeweils 288 Ringen auf den Plätzen 18 und 20, und 294 ist momentan "hoch", das ist ein gewaltiger Vorsprung in einer sehr starken Konkurrenz. Immerhin zeigen die von den deutschen Junioren geholten Medaillen bisher, dass es um den Nachwuchs nicht soo schlecht bestellt ist. Der eine oder andere darazs wird sich sicher auch für Olympia 2012 in London qualifizieren - in München gibt es die ersten Quotenplätze, die Deutschen gingen bisher mit Gewehr, Pistole und Flinte leer aus. UE
WM ISSF 4. August 2010
Von neuen und alten Meistern
Das oberste Treppchen war zu niedrig für Peter Sidis Freude.
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 | Peter Sidi beim Sieges-Sprung, links Jinseop Han (Südkorea, Silber), rechts Nemanja Mirosavljev (Serbien, Bronze). Bei Klick ins Bild: Alt-Meister in Hochbrück (von rechts) - Helmut Schlenker, Uwe Potteck, Bernd Klingner und Irene Schlenker, die früher Assistentin und lange Jahre Dolmetscherin beim Deutschen Schützenbund war.
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Deshalb sprang der frischgebackene Weltmeister im "großen KK-Dreistellungslampf" 3 x 40 Schuss sicherheitshalber noch ein Stückchen höher (Foto). In einem spannenden Finale konnte sich der mit 1178 Ringen aus dem Vorkampf kommende Ungar gegen Jinseop Han (Südkorea) durchsetzen, der mit 1274,2 Ringen (Vorkampf 1176/Finale 98,2) Silber gewann. Bronze ging an Nemanja Mirosavljev (Serbien) mit 1273,3 Ringen (Vorkampf 1174/Finale 99,3). Sidis Erleichterung gründete auch darauf, dass er bei klarer Führung im Finale im achten Schuss eine 7,8 ausgleichen musste. Sidi gestand anschließend in einem Interview, woran das lag - die Batterie seines elektronischen Abzugs hatte ausgerechnet im WM-Finale versagt, er musste mehrfach neu "pumpen", bis der restliche Strom den Schlagbolzen freigab. Nach der Schrecksekunde rettet sich der Schütze des Jahres 2009 mit einer 9,6 und einer 9,2 über die Zielllinie.
Das Finale wurde, in der Finalhalle wie auch auf dem Hauptplatz beim Public Viewing, von vielen ehemaligen Weltmeistern und Olympiasiegern verfolgt - am morgigen Donnerstag werden es noch mehr sein: der Deutsche Schützenbund hat die ehemaligen deutschen Weltmeister der vergangenen Jahre nach Hochbrück eingeladen, und viele reisten aus nie erloschenem Interesse schon heute an - etwa Bernd Klingner (u.a. Olympiasieger Dreistellungskampf 1968, Mannschaftsweltmeister Luftgewehr 1970), Helmut Schlenker (Vizeweltmeister KK-Gewehr 1958), Ulrich Lind (mehrfach WM-Silber und Olympia-Silber 1976 im KK-Liegend). Uwe Potteck, Olympiasieger Freie Pistole 1976 und 1991 Weltmeister mit der Luftpistole, war sowieso da: er wechselte schon vor Jahren auf die Seite der Waffenhersteller und arbeitet als Servicetechniker für Feinwerkbau. Wer also noch Autogramme "alter Meister" sammeln will: am Donnerstag ist die Chance besonders hoch... Ulrich Eichstädt
Egen Drückow (83) aus Lüdenscheid war sowohl bei der WM 1966 in Wiesbaden wie auch 2010 in München als Russisch-Dolmetscher, Auswerter und Betreuer dabei. Für viele Russen ist Eugen seit Jahrzehnten ein zuverlässiger Ansprechpartner.
WM ISSF 4. Wettkampftag 3.8.2010
Vom Winde verweht
Weltmeisterliches Wetter erwartete die Trap-Schützen auf den fünf neugestalteten Anlagen - auch der Wind hatte Eintritt bezahlt.
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 | Karsten Bindrich (DSB-Foto). Beim Klick aufs Bild: Training für die Juniorinnen auf die Laufende Scheibe - Wettkampfbeginn am Mittwoch ab 8 Uhr.
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Karsten Bindrich aus Eussenhausen (Foto) kämpfte verzweifelt um den Einzug ins Finale der besten sechs Trap-Herren auf der 50. Weltmeisterschaft: Insgesamt sieben Schützen hatten sich mit 121 Treffern nach dem Vorkampf um die letzten zwei freien Plätze beworben. Zunächst schoss Michael Diamond, der Olympiasieger von Sydney 2000, vorbei, dann patzte Bindrich, der immerhin 2003 schon Weltmeister war. Als dann auch Juri Nikandrow (Ukraine) die Scheibe passieren ließ, keimte wieder ein wenig Hoffnung auf, doch Jacob Turner (USA) traf als Erster in diesem Shoot-off. Somit war nur noch ein Platz frei. Jean-Pierre Chavassieux (Frankreich) zerstörte die schwachen deutschen Hoffnungen vollends – Karsten Bindrich war ausgeschieden. Auch Alberto Fernandez (Spanien) traf das kleine Ziel, musste deshalb nochmal gegen den Franzosen durchsetzen und zog mit dem Amerikaner als letzte ins Finale ein. Dort liess der Spanier allerdings nichts mehr anbrennen, rief seine Scheiben nach nur sehr kurzer Vorbereitungszeit ab und traf 22 der 25 Finalscheiben - die speziell für diesen Zweck in einer bunten Pulverwolke zerstoben. Damit kam Fernandez nach ständigem Führungswechsel mit 143 Treffern (Vorkampf 121) durchs Finale und wurde vor begeisterten Landleuten Weltmeister im Trapschießen 2010. Zweiter wurde der Olympiasieger von 2004 in Athen, Alexej Alipow (Russland), der im Stechen gegen Jiri Liptak (Tschechien) mit 2:1 die Oberhand behielt und Silber gewann. Beide hatten vorher 142 Treffer erzielt.
Mit den Schützen auf die Laufende Scheibe hatte die ehemalige olympische Disziplin wieder einen grossen internationalen Auftritt, heute die zweite Hälfte des 10-Meter-Programms, der Schnelllauf (der Langsamlauf war am Montag). In Ermangelung eines Finales haben sich die findigen Gewehrspezialisten ein "Medal-Match" mit K.o.-System einfallen lassen, um den Weltmeister zu ermitteln - und nicht so ganz aus der Finalübung zu kommen, denn immer noch ist die Hoffnung auf eine Rückkehr ins olympische Programm nicht erloschen. Weltmeister wurde, nicht ganz unerwartet, der Europameister Dmitri Romanov aus Moskau.
Von der Zahl der Besucher war heute der harte Wochenalltag zu spüren, nur wenige Nicht-Athleten fanden den Weg während der Arbeitswoche auf die Olympia-Anlage in Hochbrück. Dass daran die strikte "No-Parking"-Regel ebenfalls ihren Anteil hatte, ist anzunehmen: der Shuttle-Service vom U-Bahnhof Fröttmaning klappt zwar sehr gut, aber die Verteilung der VIP-Parkkarten gab manchem schon zu denken: so musste selbst der Verbandsarzt Martin Bauer per Bus anreisen, ebenso erging es Beate Dreilich, der Bundestrainerin für Leistungsdiagnostik, die ihre Gerätschaften am Shuttle-Startplatz zurücklassen musste. Und wer noch kein Ticket hat, kann zwar eins vor Ort kaufen, müßte dann vorher aber auf eigene Kosten und ohne eigenes Auto nach Hochbrück anreisen. Parkhinweise und Tickets für die durchaus attraktiven Wettbewerbe der nächsten Tage gibt es aber noch - am besten die EVENTIM-Ticket-Hotline anrufen und nachfragen: 01805-992207 (0,14 €/Min., Mobilfunkpreise max. 0,42 €/Min.). Wegen des begrenzten Platzangebotes in der Finalhalle und auf der Tribüne des Wurfscheibenstandes bittet der Deutsche Schützenbund um Verständnis, dass pro Bestellvorgang in den betreffenden Kategorien nur vier Eintrittskarten vergeben werden können, um möglichst viele Besucher in den Genuss eines WM-Finales live vor Ort kommen zu lassen. Flanierkarten dagegen können in unbegrenzter Anzahl bestellt werden. UE/DSB
Wer sich gefragt hat, welches Präsent die Team-Schützen bei der Siegerehrung überreicht bekommen - es sind spezielle Nürnberger Lebkuchen...
WM ISSF 3. Wettkampftag 2. August 2010
Es gibt sie noch, die kleinen Dinge
...und zwar an den Ständen der fast drei Dutzend Aussteller, die ihre Zelte auf der weitläufigen Olympia-Schießanlage aufgestellt haben.
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 | Digital-Manometer von Morini. Klick ins Bild: Trotz Montag ein volles Publikum bei der Siegerehrung der Herren im Liegendschießen.
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Jeder Wettkämpfer, jeder Funktionär und natürlich jeder Besucher kommt unweigerlich an diesen Ständen vorbei, auf dem Weg von einer Halle zur nächsten. Ein Shopping der besonderen Art, denn man ist schließlich "unterwegs", gönnt sich etwas und kauft auch das eine oder andere Zubehörteil ein - und manches ist auch wirklich pfiffig, neu oder zumindest bislang unentdeckt.
So stellte Francesco Repich, der Chef der schweizerischen Firma Morini Competition Arm, ein neuartiges digitales Manometer vor, mit dem die Morini-Luftpistolen ab etwa Herbst wahlweise ausgestattet werden. Nach einer Grundkalibrierung, basierend auf der durchschnittlich verbrauchten Pressluft für die letzten zehn Schuss, kann man abwechselnd den verbliebenen Druck (im Foto 172 bar) und die daraus resultierende mögliche Schusszahl (hier 136) ablesen. Die Batterie hält bei drei Stunden Gebrauch pro Tag drei Jahre, nach einer Stunde ohne Druckänderungen (also ohne zu schießen) schaltet die Elektronik erst einmal ab. Mehrpreis in etwa, laut Repich, wahrscheinlich um 40 Euro - auch nachrüstbar für ältere Tanks.
Der erste Montag dieser Weltmeisterschaft machte keinen Unterschied zu den sonstigen Montagen auf der Welt - alle sind noch ein wenig schlapp vom Wochenende, und selbst die Gewehrschützen lagen heute (beim 60-Schuss-Wettkampf) nur faul auf ihren Pritschen herum. Zugegeben ein etwas gezwungener Gag, denn während die deutschen Herren weder ins Finale noch in die Medaillenränge kamen, war der Nachwuchs erfolgreicher. Das deutsche Juniorenteam in der Besetzung Dominik Boschenrieder (Singen), Sebastian Drawert (Sassanfahrt) und Michael Janker (Hofstetter) hat im Mannschaftswettbewerb des Liegendschießens die Silbermedaille bei der 50. ISSF Weltmeisterschaft in München gewonnen. Sebastian Drawert gewann darüber hinaus im Einzelwettbewerb die Bronzemedaille. Der 19-jährige Schüler erzielte mit 595 eine hervorragende Leistung, denn auch der neue Weltmeister Jianing Wu (China) sowie der Silbermedaillengewinner Leor Ovadia Madlal (Israel) kamen auf 595 Zähler hatten aber mehr Innenzehner geschossen und waren somit vor dem jungen Deutschen platziert.
Bei den Herren gewann das Team aus den Vereinigten Staaten Gold vor Südkorea. Beide Mannschaften erzielten 1791 Ringe, doch hatten die Amerikaner am Ende mit 117:112 das bessere Innenzehnerverhältnis, das den Ausschlag für die USA gab. Russland wurde Dritter mit 1790 Ringen. In der Einzelwertung wurde der erfahrene Sergej Martynov (Weissrussland) neuer Weltmeister mit hauchdünnem Vorsprung von einem Zehntelring vor dem Franzosen Valerian Sauveplane (Frankreich, wie Martynov mit 599 Ringen im Vorkampf), Dritter wurde der Amerikaner Matthew Emmons. Ulrich Eichstädt
Ergebnisse auf der Website der Internationalen Schießsport-Föderation
Meldungen zu einzelnen Wettbewerben auf der DSB-Website
Nicht aufs Siegertreppchen, aber trotzdem geehrt: Im gestrigen Damen-Finale mit dem Luftgewehr konnte sich überraschend die erst 18jährige Iranerin Mahlagha Jambozorg mit 500,2 Ringen (397+103.2) auf den undankbaren vierten Platz schieben. In der ihrem Alter entsprechenden Juniorenklasse hätte sie den Weltmeistertitel errungen - aber sie wählte die stärkere Konkurrenz in der Damenklasse. Die Walther-Schützin wurde für ihre Leistung von Wulf-Heinz Pflaumer, dem Mit-Gesellschafter der Firma Carl Walther, geehrt. Für den Schießsport im Iran war dieser 4. Rang ebenso wichtig, weil er einen der begehrten Quoten-Startplätze für Olympia 2012 in London einbrachte.
1. August 2010
Einfach richtig Spass haben...
Ein Sonntag im wahrsten Wortsinn: bei strahlendem Sonnenschein freuten sich die Sieger der heutigen Disziplinen wie die kleinen Kinder - und die begeisterten Zuschauer feierten mit.
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 | Bissprobe: Die Weltmeister-Junioren Tobias Piechaczek und die Zwillinge Andreas und Michael Heise. Bei Klick ins Bild neues Motiv: Treppchen-Klettern für die deutschen Weltmeisterdamen (Mitte, v.l. Beate Gauss, Sonja Pfeilschifter und halb verdeckt Jessica Mager), links das Team aus China mit der neuen Einzelweltmeisterin Yiu Siling (3.v.l.), rechts die USA-Damen. |
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Ihnen gebührte die Ehre, die ersten Goldmedaillen, den ersten Weltmeistertitel vor heimischem Publikum verliehen zu bekommen: den Zwillingsbrüdern Andreas und Michael Heise (Wiggensbach) sowie Tobias Piechaczek (Königsberg), die in der Juniorenklasse mit der Freien Pistole auf 50 Meter um einen einzigen, aber entscheidenden Ring besser als die Teams aus Russland, das mit 1625 Zählern die Silbermedaille gewann und China, mit 1622 Ringen Dritter. Dazu kam die Bronzemedaille durch Andreas Heise im Einzelwettbewerb - und nach der Siegerehrung die dreifache Beissprobe, ob die Weltmeister-Medaille tatsächlich bissfest war.
Die Damen mit dem Luftgewehr hatten schon früh morgens vor allem die bayerischen Besucher in die Schießhalle gelockt, schließlich trat mit Lokalmatadorin Sonja Pfeilschifter eine Favoritin an, die noch im Mai beim Weltcup in Belgrad volle 400 von 400 Ringen erzielt hatte. Damit war allerdings schon nach einer Neun in der ersten Zehnerserie Schluss, der noch drei weitere Neunen folgten - und ihre 396 Ringe reichten, man muss sich das mal vorstellen, nicht für den Einzug ins Finale der besten acht Schützinnen. Auch ihre Teamkolleginnen Beate Gauss und Jessica Mager mussten mit je 397 Ringen im Vorkampf erst ein Stechen um den Finaleinzug absolvieren, gottseidank mit glücklichem Ausgang. Beide zeigten ein gutes Finale, zogen von den letzten Positionen während der zehn Schüsse in der Finalhalle nach vorne und mussten nach dem letzten Durchgang bei 498,8 sogar in ein innerdeutsches Stechen um Platz fünf, das die Solingerin Mager mit 9,9:9,7 gewann. Große Freude beim Anhang und natürlich auch beim Verband, denn damit hatten die beiden Schützinnen die ersten Quotenplätze für den Deutschen Schützenbund hinsichtlich der Olympischen Spiele 2012 in London gewonnen.
Als Dreierteam war das deutsche Trio allerdings nicht zu schlagen, mit 1190 von 1200 möglichen Ringen wurden Pfeilschifter, Mager und Gauss Weltmeister vor China und den Usa, die jeweils ein Ring trennte. Mehr Probleme hatte Jessica Mager allerdings, als letzte auf die hohe oberste Stufe des Siegertreppchens zu klettern...
Freie Pistole Herren: Tomoyuki Matsuda (Japan), der bereits nach dem Vorkampf mit 572 Zählern und einem Vorsprung von vier Ringen in das Finale gegangen war, ließ sich auch in dieser Medaillenentscheidung nicht mehr von der führenden Position verdrängen und wurde neuer Weltmeister mit insgesamt 669,7 Ringen (Vorkampf 572/Finale 97,7). Die Freude überwältigte ihn fast, auch für den Schießsport in Japan, mit weltweit einem der strengsten Waffengesetze, erhoffen sich die japanischen Schützen nun einen Aufschwung für ihren Sport. UE/DSB
Offizielle Meldung des Deutschen Schützenbundes auf der DSB-Website
Tomoyuki Matsuda, der neue Weltmeister mit der Freien Pistole, konnte es nach dem ersten Blick auf die Anzeigetafel noch nicht fassen.
31. Juli 2010
Bilderbuch-Motive
Ein Italiener wird Weltmeister mit dem Luftgewehr - trainiert von einer in Deutschland lebenden Schweizerin. Der erste Wettkampftag präsentierte sich wahrlich international.
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 | Das Gewehr-Team der Italiener (Weltmeister Niccolo Campriani 4. von links) trägt die Trainerin Gaby Bühlmann auf den Händen. Große Bilder nach dem Klick: Garam Narang lud versehentlich zwei Diabolos als 21. Schuss, reklamierte, und die Standaufsicht schoss die Doppelladung gefahrlos in eine sandgefüllte Metalldose.
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Nein, das Maximum von 600 der 600 möglichen Ringe im Vorlampf verfehlten die beiden erstplazierten Männer mit dem Luftgewehr, wenn auch nur knapp: Mit je 599 Ringen gingen der Ungar Peter Sidi und der Italiener Niccolo Campriani an Platz 1 und 2 ins Finale, gejagt von internationalen Stars wie dem Inder Garam Narang und dem Russen Denis Sokolov, beide Mitinhaber des 600er Weltrekords, Narang zudem Halter des Finalweltrekords - beide hatten 597 Ringe im Vorkampf. Mit dem chinesischen Olympiasieger Quinan Zhu und dem US-Star Matt Emmons lauerten weitere Titelkandidaten. Nix war's, der erste Weltmeister der WM 2010 heißt Niccolo Campriani, nachdem Sidi durch schwache Schüsse seine Führung verspielte und Emmons seinen nach neun Schuss erkämpften zweiten Platz mal wieder durch eine indiskutable 8,4 verlor. Campriani profitierte wie das italienische Herren-Team, das hinter China und Russland Platz 3 und Bronze holte, von der Erfahrung der Schweizer Trainerin Gaby Bühlmann, die das Nationalteam seit zwei Jahren erfolgreich coacht und die auch den Überraschungs-Olympiasieger von 2004, den Inder Abhinav Bindra, auf privater Basis trainierte. Dessen Konkurrent in Indien, Garam Narang, hatte im Vorkampf übrigens enormes Glück - nach zwei "vollen" 100er Serien zu Beginn wollte der 21. Schuss nicht fallen. Garam lud versehentlich ein zweites Diabolo, was er aber rechtzeitig bemerkte und der Standaufsicht mitteilte. Der schnelle Helfer schoss, regelrecht genehmigt, die Doppel-Ladung kontrolliert in eine Sanddose, Narang machte mit einer weiteren 100er Serie weiter. Die deutschen Teilnehmer konnten nicht ins Finale vordringen. Bester wurde Jürgen Wallowsky mit 595 Ringen, der damit knapp um einen Ring den Endkampf verpasste.
Im zweiten Wettbewerb des heutigen Tages, dem Trap-Schießen der Damen, mußte Lokalmatadorin Susanne Kiermayer ihren Abschiedswettkampf ohne Medaille beenden. Die 42jährige sah manche Wurfscheibe tatenlos entschwinden und kam auf nur 66 von 75 Scheiben, auch die zweite mit Vorschusslorbeeren gestartete Jana Beckmann landete mit 63 Treffern auf demselben resultat wie die dritte Deutsche Sonja Scheibl, so dass auch alle geplanten Mannschaftshochnungen platzte. Gewonnen hat die Slowakin Zuzana Stefecekova.
Besucher waren im übrigen sehr viele auf der Anlage: Schon die ersten zwei Shuttle-Busse vom Parkhaus in Fröttmaning um 8:00 und 8:30 waren überfüllt, viele planten schon im Bus, welche Autrogramme noch fehlten oder welche Stars sie wann beobachten wollten. Für den Sonntag wird bei hoffentlich trockenem Wetter noch mehr erhofft, denn mit dem Favoriten-Team der Damen mit dem Luftgewehr winkt ein traditioneller Zuschauer-Magnet. Ulrich Eichstädt
Offizielle Ergebnisse gibt es auf www.issf-sports.org , aktuelle (deutsche Infos) auf der Website des Deutschen Schützenbundes
Gerd Männel präsentiert die von Efim Chaidurov mitentwickelte Sportpistole Demian SP 08, eine "nahe Verwandte" der Feinwerkbau AW 93, als russisch-österreichische Koproduktion.
30. Juli 2010
Schaulaufen auf dem Marienplatz
Die Politiker und Sportfunktionäre gaben sich das Mikro in die Hand, um die 50. Weltmeisterschaft im Sportschießen zu eröffnen - und ein paar tausend Zuschauer feierten mit.
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 | Einmarsch der Nationenvertreter. Bei Klick im neuen Bild: Prominenz (von links): Ministerpräsident Seehofer, Münchens OB Ude, Dr. Thomas Bach und Jacques Rogge, beide mit Gattin
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Jetzt kanns (morgen früh) wirklich mit den Wettkämpfen losgehen: Ausgerechnet bei der offiziellen Eröffnungsformel zur WM durch IOC-Präsident Jacques Rogge öffnete sich der Himmel über dem Münchener Marienplatz, so dass alle Ehrengäste eiligst unter die flink verteilten Regencapes geflüchtet waren. Zuvor gab es noch im Sonnenschein jede Menge Reden durch DSB-Präsident Ambacher, Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (leises Flüstern eines offensichtlich städtischen Gasts hinter mir: "dass der sich mal positiv zu Waffen äußern kann..." - Kunststück, zuvor hatte er die rund 10.000 Münchener Schützen hervorgehoben, alles Wähler). Ebenso positiv hob Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer die 700jährige Tradition des Schützenwesens in Bayern hervor. Wirklich Leben kam aber in das Publikum auf dem Marienplatz (300 geladene Gäste, ein paar tausend durchaus interessierte Gäste hinter der Absperrung), als unter lautem Beifall die 104 Fahnen- und Schildträger die teilnehmenden Nationen einmarschieren ließ (okay, pro Land nur ein Schild und ein fahnentragender Sportler...), der Gastgeber Deutschland zum Schluß. Im strömenden Regen sprachen schließlich Susanne Kiermayer (Trapschützin, Aktivensprecherin) und BSSB-Sportdirektor Ralf Horneber den Sportler-Eid, sich an die Regeln zu halten und auf Doping und Drogen zu verzichten - da das Sportschießen traditionell die niedrigsten Dopingraten aller Sportdisziplinen aufweist, war das auch kein Problem.
In der morgentlichen Pressekonferenz auf der Olympia-Schießanlage ging es vor allem um das Finanzielle - 1,6 Mio Euro wird die Veranstaltung kosten, gut ein Drittel bringt der DSB allein aus Eigenmitteln auf. Allerdings kommen allein durch die Startgelder für über 3500 Starts über 650.000 Euro wieder herein, auch der Ticket-Vorverkauf (erstmals bei einer großen ISSF-Meisterschaft) ließ sich gut an, die Finalkämpfe sind teilweise ausverkauft (da gibt es aber nur je 250 Plätze), insgesamt kamen an Tickets bisher über 20.000 Euro in die Kasse. Damit war auch ISSF-Vizepräsident Gary Anderson zufrieden, der Ex-Senator aus den USA war selbst mehrfach Gewehr-Weltmeister und Organisator der Olympischen Schießwettbewerbe 1996 in Atlanta. Und er kramte sein Bayerisch wieder hervor; Anfang der 70er Jahre hatte er eine Zeitlang in München studiert, bei der HSG München trainiert und war auch im "Aktuellen Sportstudio" des ZDF aufgetreten - damals schoß (und traf) er Luftgewehr - mit verbundenen Augen.
Ulrich Eichstädt
Pro teilnehmender Verband eine Flagge: 104 Nationen, auch ein erster WM-Rekord
29. Juli 2010
Die Qual der Wahl(en)
Warum sollten sich die obersten Schießsport-Funktionäre anders als unser örtlicher Schützenverein verhalten, wenn man mit der Leistung der Vorstandschaft zufrieden ist?
Demzufolge war es keine Überraschung, dass auch bei der ISSF-Generalversammlung, heute der 2. Tag, bei den Wahlen rasch "Wiederwahl!" gerufen wurde (oder was immer das in der jeweiligen Sprache der Delegierten heißen mag). ISSF-Präsident Olegario Vazquez Rana (Mexiko) hat diese Aufgabe seit 1980 inne, und wird dies auch die nächste Wahlperiode tun. "Lokalmatador" Horst G. Schreiber aus München hat als Generalsekretär diese Aufgabe ebenso lange im Griff und wurde genauso wiedergewählt, demzufolge bleibt auch das ISSF-Headquarter weiter in München (www.issf-sports.org). Erfreulich aus deutscher Sicht, dass DSB-Präsident Josef Ambacher eine besondere Ehrung erhielt: er wurde zum Ehrenmitglied der ISSF ernannt.
Auf der Schießanlage in Hochbrück derweil eifriges Treiben, denn heute war letzter Aufbautag für die zahlreichen Ausstellerzelte und Zelte - die freien Flächen zwischen den einzelnen Hallen sind sozusagen flächendeckend belegt. Die Fahnenmasten vom Eingangstor zum Hauptplatz boten schon ein beeindruckendes Bild - hier gezeigt wird es aber erst, wenn dazwischen unzählige Sportler und Besucher hindurchwuseln. Überall wurde noch gehämmert und aufgebaut, auf dem Freifeld, auf dem schon zu Olympia 1972 die Sieger aufs Treppchen durften (es heißt zu Ehren des damaligen Olympiasiegers heute "Conny-Wirnhier-Platz") wurden Zuschauertribünen und eine große "Public Viewing"-Leinwand aufgebaut - wegen den begrenzten Plätze in der Finalhalle werden viele Besucher die Entscheidungen wohl von hier aus verfolgen.
Einige wenige Schützen nutzten den heutigen ersten Trainingstag, um sich mit Licht und Technik schießend vertraut zu machen. Morgen ist der eigentliche Trainingstag (vor den olympischen Wettbewerben ist ein Trainingstermin anzubieten, das schreiben die Regeln vor). Dann gibt es auch Staus an der Waffen- und Ausrüstungskontrolle. Aber alles in allem wird Organisationschef Max Mückl sein Helfer-Team in bewährter Manier führen, das geht souverän und stets mit einer Zigarre im Mundwinkel. Zumindest bis zum 30.7., am 1. August tritt in Bayern das verschärfte Nichtrauchergesetz ein. Die Bayern haben auch hier schon eine Lösung parat: für Familienfeste und private geschlossene Gesellschaften gilt das Gesetz wiederum doch nicht - und "die Schützen sind doch weltweit eine große Familie..."
Ich selbst schreibe dies schon am Nachmittag; abends haben ein paar Inder in ein indisches Restaurant in Garching eingeladen und wollen uns dort in die Feinheiten (und Schärfen) der indischen Küche einführen. Wer weiß, wie das ausgeht - zur Pressekonferenz morgen früh jedenfalls und erst recht zur offiziellen Eröffnung auf dem Marienplatz muss ich wieder im Rennen sein, schweissgebadet oder nicht, egal.
Ulrich Eichstädt
Übrigens: Fragen zur WM gern per Mail an VISIER-Online@vsmedien.de - wenn es zeitlich und thematisch passt, kann ich in einer Tagebuchfolge darauf eingehen.
WM-Tagebuch 28. Juli 2010
Heute geht's los - fast
Grosse Ereignisse werfen ihre Schatten voraus - im Falle der 50. Weltmeisterschaft im Sportschießen sind das vor allem gesellschaftliche Ereignisse.
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 | ISSF-Präsident Olegario Vasquez Rana bei der Begrüßungsansprache
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Das Abenteuer WM 2010 (ich werde die komplette Zeit aus München berichten) begann mit einem Rennen gegen die Zeit. Wegen dringender Redaktionsarbeiten viel zu spät heute vormittag von Bad Ems aus weggekommen, das Auto wieder viel zu voll beladen (neben den obligatorischen Zeitschriften und den WM-Beilagen als Nachschub diesmal auch Tauschobjekte für ausländische Sportschützen wie Pins, VISIER-Caps oder Sonderhefte "zum Thema", etwa übers KK- oder Druckluftschießen). Ein Stau nach dem anderen, und der bei der mittäglichen Abfahrt sichere Termin "19:30 Residenz München" gerät in Gefahr, weil für die rund 500 km geschlagene 7,5 Stunden anfallen. Im Hotel in Garching einchecken, Jeans gegen den Abendanzug tauschen, die große Kameratasche aus- und die handliche kleine für die Stadt einpacken, da kommt schon das Taxi. Die Krawatte blind auf dem Rücksitz gebunden und nebenbei per Google übers Handy dem Taxifahrer den Weg ins Zentrum erklärt.
Ach ja, der Anlaß: der bayerische Kultusminister Huber hat anläßlich der am Freitag beginnenden WM in den Max-Joseph-Saal der Münchener Residenz geladen, zu einem Empfang - das zwingt auch einen VISIER-Redakteur hinter den Schlips. Der Weg ist dann einfach zu finden; vor dem Kapellentor bildet sich eine lange Schlange mit vielen bekannten Gesichtern: neben erfolgreichen deutschen Schützen der letzten Jahrzehnte, etwa Olympiasiegerin Sylvia Sperber (1988) oder Lokalmatador Gottfried Kustermann (1970 Weltmeister Luftgewehr), viel internationale Prominenz - Gary Anderson, heute Vizepräsident der ISSF und selbst mehrfacher Gewehr-Weltmeister, natürlich ISSF-Präsident Olegario Vasquez Rana mit Gattin, DSB-Präsident Josef Ambacher und IOC-Vize Dr. Thomas Bach, der sich regelmäßig bei Schießveranstaltungen einfindet und sich hier offenbar pudelwohl fühlt. Viele Firmenrepräsentanten sind hier - ohne die "Branche" ginge ja gar nichts. Kultusminister Huber weist mit Stolz auf die hohe "Sportschützendichte" in Bayern hin; immerhin hat der Bayerische Sportschützenbund allein schon fast eine halbe Million Mitglieder, "jeder 25. Bayer ist ein Sportschütze". So eine Zahl im Hinterkopf kann bei Wahlen recht nützlich sein, aber die Bayern haben in dieser Hinsicht ohnehin selten Probleme (zwischendurch spricht sich herum, dass die in Stuttgart geplante Waffensteuer-Verabschiedung im Gemeinderat offenbar geplatzt ist - selbst zur WM ist diese Abzockaktion ein Thema, auch im internationalen Small Talk).
Zwar hat es tagsüber viel geregnet, die Sonne pausierte, trotzdem treibt die schwüle Luft allen Anwesenden den Schweiss auf die Stirn. Die ISSF-Delegierten aus über 100 Ländern (genauer: von über 100 Verbänden - es gibt aus Zeiten vor der letzten Regeländerung noch einige wenige Doppelmitglieder) hatten heute schon "Programm", die saßen tagsüber im Hilton bei der General Assembly, der turnusmäßigen Generalversammlung, und morgen wird weiter getagt. Spektakuläres ist da nicht zu erwarten, stönt ein (hier ungenannt bleibender) Kollege, der mit dabei war. Für mich geht es erst am Freitag weiter, mit der offiziellen Eröffnungsfeier auf dem Münchener Marienplatz. Dort genehmigte ich mir, streng dienstlich und testweise, auf dem Heimweg das erste Weissbier. Geht so (ich bin gebürtiger Dortmunder und da wählerisch). Der Taxifahrer auf dem Rückweg staunt: "Wie, mehr als 2000 Schützen kommen nach München? Das bringt eine Menge Umsatz, auch für uns Taxifahrer". Eben... Ulrich Eichstädt
(wird fortgesetzt)
"Today only photo-shooting" - Rasim Rzayev (Azerbaijan, links), Vladimir Lisin (Präsident des russischen Verbands und der Europäischen Schützen-Konföderation ESK)
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