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VISIER-Sonderteil WAFFENRECHT

Die berühmten "amerikanischen Verhältnisse"

"Das darf bei uns nicht so einreißen wie in den USA!" - eine oft von Politikern und Medien geäußerte Befürchtung, wenn es um das Waffenrecht hüben wie drüben geht.

US-Flagge
Dabei kann auf Nachfrage kaum jemand konkrete Details zu diesen "amerikanischen Verhältnissen" nennen. Oft wird das Bild der Amerikaner auch durch Hollywood und Filme mit hohem Gewaltanteil geprägt - wenn von einer "Pump Action"-Flinte getroffene Gangster (oder auch Helden) meterweit durch die Luft fliegen, muß eine solch fürchterliche Waffe natürlich umgehend verboten werden.

So geschehen nach dem Amoklauf von Erfurt 2002. Obwohl der Täter Robert Steinhäuser alle Morde mit einer (illegal erschlichenen) Glock-Pistole im Kaliber 9 mm Para beging, hatte er zusätzliche eine solche "Pump Action"-Flinte mit abgesägtem Hinterschaft dabei. Diese setzte er allerdings gar nicht ein, weil er mit der Ladetechnik nicht zurechtkam und die Waffe eine Störung hatte.

Trotzdem reichte dieses Mitführen den deutschen Politikern, um solche Vorderschaft-Repetierflinten (so der korrekte Ausdruck) zu verbieten, wenn sie nach Anlage 2 des Waffengesetzes  diese Voraussetzungen erfüllen:
1.2.1.2 Vorderschaftrepetierflinten, bei denen anstelle des Hinterschaftes ein Kurzwaffengriff vorhanden ist oder die Waffengesamtlänge in der kürzest möglichen Verwendungsform weniger als 95 cm oder die Lauflänge weniger als 45 cm beträgt.

Die Waffenform mag wegen ihrer Handlichkeit tatsächlich besser zu verbergen und zu handhaben sein; tatsächlich aber ist sie in der Schußleistung und -wirkung (bis auf die Magazinkapazität) identisch mit den olympischen Sportflinten oder denen, die jagdlich eingesetzt werden. Die erscheinen aber selten als Mordwaffe im Kino, also konzentrieren sich die Politiker auf das, was sie von dort mehrere Stunden am Tag im Fernseher vorgesetzt bekommen: "Pump-Actions"...

Was aber macht nun "das Waffengesetz der USA" aus?

Zunächst einmal gibt es dieses eine "Waffengesetz der USA" gar nicht. Die Vereinigten Staaten, in diesem Punkt vergleichbar mit der Europäischen Union, hat kein einheitliches Waffengesetz, sondern deren 50 - nämlich für jeden Bundesstaat ein eigenes (analog zu unseren unterschiedlichen Waffengesetzen in Deutschland, der Schweiz oder Schweden). Darüber hinaus gibt es mit den Regelungen auf regionaler und lokaler Ebene geschätzte 20.000 Waffenrechts-Bestimmungen in den USA.

Und allein die Ländergesetze sind so unterschiedlich wie die Staaten, die sie erlassen haben. In den dicht bevölkerten Staaten wie New York oder Washington herrscht ein totales Verbot von privaten Waffen - dummerweise halten sich die Straftäter aber nicht daran, daher weisen beide Staaten exorbitant hohe Kriminalitätsraten mit Waffen auf, verglichen etwa mit den ländlicheren Staaten wie Virginia oder Texas.

Auch nach aktueller Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs vom Juni 2008 gilt für die gesamten USA der zweite Verfassungszusatz ("second amentment"), nach dem die Bürger ein individuelles Recht auf Bewaffnung haben. Dies war jahrelang von Waffengegner angezweifelt worden.
Zu einer deutschsprachigen Zusammenfassung des Urteils

 
Daher erstaunt es kaum, daß mittlerweile 37 der 50 US-Bundesstaaten ihren Bürgern das Recht zum verdeckten(!) Tragen einer Schußwaffe zur Selbstverteidigung zubilligen (die Zahl stieg in den letzten Jahren kontinuierlich an), 7 weitere erlauben dieses CCW (concealed carry of weapons) auf individuellen Antrag.

Die amerikanische Bundespolizei FBI (Federal Bureau of Investigation) hat in ihrem Crime Report 2007 zum Erstaunen vieler festgestellt:

Die Kriminalitätsrate in den USA ist von 2006 auf 2007 nicht nur leicht gefallen, sondern sie ist seit 2002 jährlich gefallen, auf den niedrigsten Stand seit 1974. Das US-Justizministerium sprach von einem "knappen 30-Jahre-Tiefststand". Seit 1991 sind die Gewaltverbrechen um 38 Prozent zurückgegangen, Mord ist auf dem tiefsten Stand seit 40 Jahren, kontinuierlich gesunken seit 1991 um insgesamt 43 Prozent.

Zur VISIER-Meldung mit Link zu den Originalquellen



Wirken sich strengere Waffengesetze senkend auf die Kriminalitätsrate aus?

Auch diese Hoffnung vieler Politiker in den USA wie in Deutschland ließ sich wissenschaftlich nicht bestätigen. Das Center for Disease Control and Prevention (CDC) in Atlanta/Georgia forschte im staatlichen Auftrag im US-Gesundheitswesen über Krankheiten und Unfälle und wie man sie verhindern könnte. Drei Jahre lang haben sich 14 Experten einer speziellen Arbeitsgruppe („Task Force“) mit 51 verschiedenen Studien rund um Schußwaffen, Kriminalität und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen auseinandergesetzt – am 3. Oktober 2003 schließlich mußten sie in ihrem vorläufigen Abschlußreport zugeben: Es gibt keinen Nachweis dafür, daß Waffengesetze Gewalt verhindern können. Geht man davon aus, daß Gesetzesbrecher ihre Waffen illegal benutzen, werden sie sich davon eben auch nicht durch Waffengesetze oder gar Verbote abhalten lassen. Sie werden die Waffen weiter einsetzen, selbst wenn der Rest der Bevölkerung entwaffnet würde.

Zur VISIER-Meldung von 2003 mit Link zu den CDC-Studien


Links zu amerikanischen Websites mit weiteren Original-Informationen:



National Rifle Association - der weltgrößte Schützenverband

Übersichtskarte: Waffengesetze in den USA

Kurzfassung Waffengesetze tabellarisch









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