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aus VISIER 5/2005

Die große Unbekannte

7 x 57er Munition

Gleichgültig, ob brasilianischer Soldat, mexikanischer Revolutionär oder südafrikanischer Freiheitskämpfer — sie alle benutzten Mauser-Gewehre
im Kaliber 7 x 57: eine Bestandsaufnahme.

(Vorschau auf die nächste Ausgabe)


OLYMPIA 2004

VISIER-Portrait: Luftgewehr 10 m

Bild

Sonja Pfeilschifter (D)
(zum Portrait auf der DSB-Website)

Die wohl weltweit meistgeschossene Wettkampfart gehört seit 1984 zum olympischen Programm. Im Hauptwettkampf zählen nur ganze Ringe. Anschließend im Finale hat jeder der acht Finalisten pro Schuß 75 Sekunden Zeit, die erzielten Ringe werden in Zehntel-Ringe unterteilt (Start und Stop werden für alle parallel angesagt). Eine Zehn im unmittelbaren Zentrum zählt 10,9 Ringe, eine nur sichtbar berührte gibt 10,0. Die Resultate aus Hauptwettkampf und Finale werden addiert. Bei Ringgleichheit erfolgt ein Stechen, bei dem der erste bessere Schuß entscheidet.

Waffen: In den Druckluftwaffen-Disziplinen dominieren Modelle mit Preßlufttank, bei denen nur noch ein Diabolo für jeden Schuß in den Lauf befördert werden muß, also keine Kraftanstrengung zum Spannen erforderlich ist. Die meisten Starter wählen ein Modell mit Aluminium- statt Holzschaft, weil sich hier der Hinterschaft, der Pistolengriff und neuerdings auch der Vorderschaft individuell an den Anschlag anpassen lassen (was bei Holzschäften bauartbedingt nicht geht). "Absorber" oder "Stabilisatoren" (je nach Patent und Firma) schalten dabei den Rückstoß des Diabolos (0,5 g) fast aus. Wie bei allen olympischen Gewehr-Disziplinen (außer Laufender Scheibe) wird mit einem Diopter (eine Lochblende) hinten auf dem System und einem Ringkorn im Korntunnel vorn an der Mündung gezielt. Die mit einem 200-bar-Preßlufttank ausgestatteten Modelle erlauben bis zu 500 Schuß pro Füllung, ein Manometer zeigt den verbleibenden Druck an. Führende Fabrikate und Modelle (alphabetisch): Anschütz 2002 oder 9003, Feinwerkbau P 70 oder P 700, Walther LG 300


Kaliber: 4,5 mm Diabolo
Entfernung: 10 Meter
Größe der Zehn: 0,5 mm
Ringabstand: 2,5 mm
Anschlag: stehend frei
Ablauf: Frauen — 40 Schuß in 75 Minuten, Männer — 60 Schuß in 105 Minuten
Maximale Ringzahl: 400/600 Ringe (plus 109,0 Final-Ringe)
Weltrekord: 400 Ringe (Sun Hwa Seo, Korea und 7 weitere Damen), 600 Ringe (Tevarit Majchacheeap, Thailand)
Final-Weltrekord: 400 + 104,9 Final-Ringe Li Du (China), 599 + 103,5 Jason Parker (USA)
Olympiasieger 2000: Nancy Johnson (USA), Yalin Cai (China)
Deutsche Teilnehmer: Dorothee Bauer (Speyer), Sonja Pfeilschifter (Eching, siehe Foto), Maik Eckhard (Dortmund), Torsten Krebs (Waldsee)
VISIER-Favoriten: Lioubov Galkina (RUS), Josef Gonzi (SVK)

Zeitplan in Athen:
Samstag, 14. August 2004
09:00-10:15 10 m Luftgewehr Damen
11:00-11:40 Finale 10m Luftgewehr Damen
11:55-12:10 Siegerehrung 10 m Luftgewehr Damen

Montag, 16. August 2004
12:00-13:45 10 m Luftgewehr Herren
15:00-15:40 Finale 10 m Luftgewehr Herren
15:55-16:10 Siegerehrung 10 m Luftgewehr Herren

Anschütz 9003 Premium
Spitzenreiter der VISIER-Bestenliste mit 100 von 100 möglichen Punkten: das Anschütz 9003 Premium.

Olympia 2004

VISIER-PORTRAIT KK-Gewehr 50 m

KK-Anschlag

Seit 1900 olympisch, wurde zunächst parallel auch mit Großkaliber-Waffen bestritten. Heute sind die KK-Gewehre nach allen Regeln der Kunst “aufgerüstet“: Vorderschaftstütze und Wasserwaagen an der Visierung sind erlaubt. Die Waffen für die Disziplinen 3 x 40 Schuß, KK liegend (beide nur für Männer) sowie Sportgewehr (Damen) sind bis auf dessen leichteres Gewicht (6,5 statt 8 kg) identisch.

Waffen: Nachdem der Ulmer Hersteller Anschütz jahrzehntelang die KK-Disziplinen mit seinen Gewehren beherrscht hat, kamen in den letzten Jahren verstärkt Konkurrenten auf den Markt: Neben dem wiedererstarkten Anbieter Carl Walther (Ulm/Donau) und Feinwerkbau (Oberndorf) sind auch zahlreiche "Custom-Modelle" zu sehen, etwa das "Challenger" der Schweizer Firma Bleiker oder einige "X-Concept" der inzwischen aufgelösten französischen Firma Unique. Der Trend zu Aluminium-Schäften ist im KK-Bereich nicht so stark spürbar wie beim Luftgewehr. Einige der älteren Top-Schützen (und Schützinnen) setzen weiterhin auf ihre bewährten Holzschäfte. Viele Gewehre tragen eine Visierlinien-Verlängerung, ein auf den Lauf aufgeschobenes Rohr, das den Korntrunnel trägt, aber auch einige ballistische Vorteile beim Schuß bringen soll. Bei der KK-Munition hat der britische Hersteller Eley (Birmingham) mit seiner "Tenex" seit Jahrzehnten einen großen Anteil, ebenso die R 50- und RWS-Serien von RUAG (früher Dynamit Nobel). Fiocchi, Lapua und auch der zum gleichen Konzern gehörende deutsche Anbieter SK sind ebenfalls für Überraschungen gut. Und mancher Weltklassesportler wird zu Olympia auch ein uraltes Schächtelchen mit "alter" Eley Tenex oder auch die legendäre russische "Olymp" aus dem Tresor holen…

Kaliber: .22 l.r.
Entfernung: 50 Meter
Größe der Zehn: 10,4 mm
Ringabstand: 8,0 mm
Anschlag: liegend (mit Schießriemen), stehend frei, kniend (mit Riemen und Kniendrolle)
Ablauf 3 x 40: 40 Schuß liegend in 45 Min., 40 Schuß stehend in 75 Min., 40 Schuß kniend in 60 Min., jeweils unbegrenzte Probeschüsse vor dem ersten Wertungsschuß
Ablauf 60 Schuß liegend: Zeit 75 Min., unbegrenzte Probeschüsse vor dem ersten Wertungsschuß
Ablauf 3 x 20 Sportgewehr Damen: je 20 Schuß liegend, stehend und kniend, Gesamtzeit 135 Min., jeweils unbegrenzte Probeschüsse vor dem ersten Wertungsschuß (Generell sind die Zeiten wegen der elektronischen Auswertung in Athen kürzer als bei Papierscheiben)
Finale: Bei 3 x 40 und 3 x 20 je 10 Schuß stehend in je 75
Sekunden, im Liegend-Wettkampf 10 Schuß liegend in je 45 Sekunden
Maximale Ringzahlen: 1200 Ringe (3 x 40) bzw. 600 Ringe (liegend/3 x 20), plus jeweils 109,0 Ringe im Finale
Weltrekorde: 3 x 40: Rajmond Debevec (Slowenien) 1186 Ringe, Sportgewehr Vessela Letcheva 595 Ringe, KK liegend 600 Ringe (9 verschiedenen Schützen)
Olympiasieger 2000: 3 x 40 Rajmond Debevec (SLO), Sportgewehr Renata Mauer (POL), KK liegend Jonas Edman (SWE)
Deutsche Teilnehmer: 3 x 40 und KK liegend: Maik Eckhardt (Dortmund) und Christian Lusch (Bühl), Sportgewehr Sonja Pfeilschifter (Eching) sowie Barbara Lechner (Klais)
VISIER-Favoriten: 3 x 40 Rajmond Debevec (SLO), KK liegend Guy Starik (ISR), Sportgewehr Katerina Kurkova (CZE)

Zeitplan in Athen:

Freitag, 20. August 2004:
09:00-11:15 50 m Gewehr 3 x 20 Damen
12:00-13:15 50 m Gewehr liegend Herren
12:30-13:10 Finale 50m Gewehr 3 x 20 Damen
13:25-13:40 Siegerehrung 50 m Gewehr 3 x 20 Damen
14:30-15:10 Finale 50 m Gewehr liegend Herren
15:25-15:40 Siegerehrung 50 m Gewehr liegend Herren

Sonntag, 22. August 2004:
09:00-12:20 50 m Gewehr 3 x 40 Herren
13:30-14:10 Finale 50 m Gewehr 3 x 40 Herren
14:25-14:40 Siegerehrung 50 m Gewehr 3 x 40 Herren

Bild
Walther KK 300 mit Alu-Schaft
(Infos auf der Walther-Website)


Olympia 2004

VISIER-Portrait: Laufende Scheibe 10 m

Manfred Kurzer

Manfred Kurzer

Die “Jäger der Laufenden Scheibe“ gehörten seit 1900 in Paris zu den Olympioniken, haben aber in Athen ihren vorerst letzten Start: Das Ziel verwandelte sich über eine Wildschwein-Silhouette und einen Hirsch wieder in einen “Keiler”, bis in den 80er Jahren aus Rücksicht auf muslemische Länder eine neutrale Scheibe mit zwei Zielpunkten eingeführt wurde. Bis 1988 wurde auch mit KK auf 50 m geschossen, seit 1992 nur noch mit dem Luftgewehr auf 10 m.

Waffen:
Heute werden wegen des einfachen und wenig störenden Ladevorgangs nur noch Preßluftgewehre verwendet. Denn der Schütze legt nur die Mündung vorn auf der Brüstung ab und lädt mit einer Hand, während der Hinterschaft (Kolben) an der Hüfte ruht und mit dem Unterarm gehalten wird. Die deutsche Nationalmsnnschaft hat sich nach Versuchen mit verschiedenen Anbietern für das Feinwerkbau P 70 entschieden: das liegt daran, daß das renommierte Berliner Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) in Zusammenarbeit mit dem Schützenbund und den Sportlern spezielle Carbonschäfte entwickelt hat, und diese konnten von den Ausfrüsungen und dem Formenbau nur auf ein Fabrikat zugeschnitten werden. Die futuristischen Schäfte wiegen nur 400 Gramm (!) und erlauben eine ausgewogene Balance des Luftgewehrs aus der Vorhalteposition in den Anschlag. Die stützende Hand dient dabei als Drehpunkt, einige Sportler haben daher diese Partie auch individuell an ihre Fingerhaltung anformen lassen. Das lange Führungsrohr steckt auf dem viel kürzeren Lauf (Führung 49 cm) und hilft mit seinem Vordergewicht bei der gleichmäßigen Horizontalbewegung, während der Schütze auf die laufende Scheibe zielt. Auch diese Luftgewehre verschießen die Diabolos im selben Tempo wie ein "normales" Matchluftgewehr, also im frei verkäuflichen Bereich bis 7,5 Joule.

Optik: Nur in dieser olympischen Schießdisziplin darf ein Zielfernrohr (maximal 4fache Vergrößerung) benutzt werden. Wegen der Kopfhaltung wurden besonders hohe Monateringe verwendet (unter denen auch die verkürzte Ladeklappe hindurchgeschwenkt werden muß). Die Optik-Firma Gerhardt aus Naumburg (früher Hertel + Reuss) baut diese Zielfernrohre mit zwei senkrechten Stacheln, die unabhängig voneinander jsutiert werden können – so kann man das Gewehr auf das individuelle Vorhaltemaß einstellen. Gezielt wird auf den Zielpunkt zwischen den eigentlichen zwei schwarzen Scheibenspiegeln.

Kaliber: 4,5 mm
Entfernung: 10 Meter
Größe der Zehn: 5,5 mm
Ringabstand: 2,5 mm
Ablauf: 60 Wertungsschüsse, davon je 30 im Langsam-Lauf (Scheibe 5,0 Sekunden sichtbar) und Schnell-Lauf (2,5 Sekunden). Die Schneise, die von der Scheibe bei jedem Schuß einmal durchquert wird (abwechselnd von links und rechts), ist zwei Meter breit. Vor dem Erscheinen der Scheibe muß der Schütze die Waffe im Voranschlag halten, wobei der Gewehrkolben die Hüfte berührt
Maximale Ringzahl: 600 Ringe (plus 109,0 im Finale)
Weltrekord: Igor Kolesov (RUS) 588 Ringe
Final-Weltrekord: Ling Yang (China) 586 + 101,9 Final-Ringe
Olympiasieger 2000: Ling Yang (China)
Deutsche Teilnehmer: Michael Jakosits (Homburg), Manfred Kurzer (Frankfurt/Oder)
VISIER-Favoriten: Miroslav Janus (CZE), Kurzer, Jakosits

Bild
Ex-Weltmeister Manfred Kurzer mit seinem Feinwerkbau P 70 im FES-Spezialschaft aus Carbonfasern (Gewicht ohne System knapp 400 g)

Olympia 2004

VISIER-Portrait: Trap, Doppeltrap, Skeet

Perazzi

Perazzi MX 2000 Trap
mit verstellbarem
Schaftrücken

Die schnell fliegenden Asphaltscheiben (ø 110 mm, Höhe 25 mm, Gewicht 105 g) werden olympisch in drei Disziplinen beschossen, jeweils getrennt für Männer und Frauen. Gemeinsam ist ihnen das Kaliber (maximal 12/70, Schrotladung 24 Gramm), Selbstladeflinten (max. 2 Schuß) sind erlaubt, bevorzugt werden aber Bockdoppelflinten (bei Trap mit längeren Läufen als bei Skeet).

TRAP:
Entfernung: bis 76 Meter
Anschlag: stehend, jagdlicher Voranschlag
Ablauf: fünf nebeneinander in sechs Meter Abstand plazierte Schießpositionen mit jeweils drei Wurfmaschinen. Sie werfen die Scheiben aus einem parallel zur Grundlinie ausgehobenen Graben, auf das Kommando des Schützen. Pro Scheibe sind zwei Schuß erlaubt. Geschossen werden fünf (für Damen drei) Serien zu je 25 Scheiben, weitere 25 im Finale der besten sechs Starter. Die in Sechserrotten eingeteilten Schützen wechseln die Positionen von links nach rechts. Der rechte Schütze pausiert einen Durchgang und geht dann auf Stand 1 zurück.
Maximale Trefferzahl: 125 (Damen: 75) Scheiben + 25 im Finale
Weltrekord: Giovanni Pellielo (ITA) 125 Scheiben, Victoria Chuyko (UKR) 74 Scheiben
Olympiasieger 2000: Michael Diamond (AUS), Daina Gudzineviciute (LTU)
Deutsche Teilnehmer: Karsten Bindrich (Eussenhausen), Olaf Kirchstein (Lebus), Susanne Kiermayer (Kirchberg)
VISIER-Favoriten: Michael Diamond (AUS), E Gao (China)


DOPPELTRAP:
Ablauf: wie Trap, nur werden jeweils Doubletten (zwei Scheiben gleichzeitig) geworfen, die aus drei Maschinen abwechselnd geradeaus und je fünf Grad nach links oder rechts geschleudert werden. Die Frauen müssen 120 Scheiben in drei Serien zu je 20 Doubletten absolvieren, die Männer 150 Scheiben (drei Serien zu je 25 Doubletten). Auch hier kommen die jeweils besten sechs Starter ins Finale
Maximale Trefferzahl: 150 bzw. 120 Scheiben (plus 25 im Finale)
Weltrekorde: Deborah Gelisio, Gema Usieto (beide Italien) mit 113 Scheiben, Fehaid al Deehani (Kuwait) 145 Scheiben
Olympiasieger 2000: Richard Faulds (GB), Pia Hansen (SWE)
Deutsche Teilnehmer: Waldemar Schanz (Wiesbaden), Susanne Kiermayer (Kirchberg)
VISIER-Favoriten: Ahmed Almaktoum (Vereinigte Emirate), Susanne Kiermayer (Kirchberg)


SKEET:
Die von zwei seitlich positionierten Wurfmaschinen (“Hochhaus“ links, “Niederhaus“ rechts) geworfenen Einzelscheiben und Doubletten werden von acht verschiedenen Ständen aus beschossen
Anschlag: stehend, jagdlicher Voranschlag
Maximale Entfernung: 65 - 67 m
Ablauf: Vom Hochhaus wandern jeweils sechs Starter gegen den Uhrzeigersinn zum Niederhaus (Stand 7), bevor es in den Mittelpunkt des Kreisbogens zur Station 8 geht. Auf den Ständen 1, 2 und 6 schießt man je eine Einzelscheibe und eine Doublette, auf 3, 4 und 5 zwei Einzelscheiben und eine Doublette, auf Stand 7 nur eine Doublette und auf Stand 8 zwei Einzelscheiben. Bis zum Erscheinen der Wurfscheibe muß der Schütze die Flinte mit dem Schaft an der Hüfte halten, erst dann darf er in den Anschlag wechseln. Pro Scheibe ist nur ein Schuß erlaubt, auch wenn Doubletten geworfen werden
Maximale Trefferzahl: 125 Scheiben (plus 25 im Finale)
Weltrekorde: Jan-Henrik Heinrich (D) 125 Scheiben, Svetlana Demina (RUS) 75 Scheiben
Olympiasieger 2000: Mykola Milchev (UKR = Ukraine),
Zemfira Meftakhetdinova (AZE = Aserbatschan)
Deutsche Teilnehmer: Axel Wegner (Leipzig)
, keine weibliche DSB-Starterin
INTERVIEW mit Axel Wegner
(auf der Website des Deutschen Schützenbundes)


Zeitplan Athen:
Samstag 14. August 2004
09:00-14:00 Trap Herren

Sonntag 15. August 2004
09:00-12:30 Trap Herren
13:30-14:15 Finale Trap Herren
14:30-14:45 Siegerehrung Trap Herren

Montag 16. August 2004
09:00-12:00 Trap Damen
13:00-13:45 Finale Trap Damen
14:00-14:15 Siegerehrung Trap Damen

Dienstag 17. August 2004
09:00-13:30 Doppeltrap Herren
14:30-15:15 Finale Doppeltrap Herren
15:30-15:45 Siegerehrung Doppeltrap Herren

Mittwoch, 18. August 2004
09:00-12:00 Doppeltrap Damen
13:00-13:45 Finale Doppeltrap Damen
14:00-14:15 Siegerehrung Doppeltrap Damen

Donnerstag, 19. August 2004:
10:00-13:30 Skeet Damen
14:30-15:15 Finale Skeet Damen
15:30-15:45 Siegerehrung Skeet Damen

Samstag, 21. August 2004:
10:00-15:00 Skeet Herren

Sonntag, 22. August 2004:
11:00-14:30 Skeet Herren
15:30-16:15 Finale Skeet Herren
16:30-16:45 Siegerehrung Skeet Herren

Bild
Axel Wegner war bereits 1988 Olympiasieger im Skeet, damals noch für die DDR. Der Leipziger ist der Beweis, daß Schießsport an der Weltspitze bei konsequentem Training auch über Jahrzehnte möglich ist.

Spreu und Weizen

(Leseprobe aus VISIER 5/2001)

Glücklich, wer eine echte Scharfschützenwaffe 91/30 sein eigen nennt: Denn ihr Sammlerwert steigt ständig, was natürlich auch Täuscher anregt. Etwas Sachkenntnis kann also nicht schaden.

Von Dr. David Th. Schiller und Robert Cadek
Der Faszination der "snaiperskaya vintovka" M 1891/30 können sich nur wenige Ordonnanzgewehrschützen entziehen — und das nicht erst, seitdem Handelshäuser wie Frankonia fast taufrische Mosin-Nagant-Scharfschützengewehre mit PU-Zielfernrohr zum wahren Schottenpreis von 599 Mark anbieten. Denn die Zeit der billigen Schweden-Mauser ist endgültig passé, gute Enfields wachsen nicht mehr auf den Bäumen. Dafür gibt es noch jede Menge gut erhaltener MN-Karabiner und -Gewehre nebst interessanten Varianten aus Finnland. Die Fabrikmunition fällt auch recht preisgünstig aus, und die 7,62 x 54 R läßt sich zudem sehr gut wiederladen, wie ein großer Vergleichstest anhand von 28 Laborierungen zeigte (11/99). Viel Geschichte hängt außerdem an den "Dreilinien-Gewehren", wie die Mosin-Nagants nach der alten russischen Maßeinheit auch genannt werden. Daß nun Hollywood mit dem Film "Duell — Enemy at the Gates" auch noch die russischen Scharfschützen des Zweiten Weltkriegs zum Gegenstand eines abendfüllenden Actionfilms machte (siehe VISIER 3 und 4/01), schmälert nicht im geringsten das Interesse an deren Waffen und treibt die Preise für echte russische Scharfschützengewehre in die Höhe. Allerdings ist nicht alles russisches Sammler-Gold, was im Regal mit einem Zielfernrohr glänzt. Woran unterscheiden sich nun die echten Gewehre von den nachträglichen Zusammenbauten?

Am Anfang war ...

Anders als Reichswehr und Wehrmacht unternahm die Sowjetunion bereits in den 30er Jahren große Anstrengungen, um ein besonderes Scharfschützen-Kader aufzubauen. Hand in Hand mit der Modernisierung des zaristischen Infanteriegewehrs M 1891 zum Modell 1891/30 ging deshalb auch die Serienproduktion einer Zielfernrohr-Version einher. Ursprünglich strebten die neuen Machthaber im Kreml sogar eine generelle Umbewaffnung der Streitkräfte vom Repetierer zum Halbautomaten an (siehe VISIER 6/2000). Das scheiterte aber aus den verschiedensten Gründen. So blieben die Repetierer beim Gros der Infanterie im Dienst. Nur ein kleiner Teil erhielt die von Tokarew entwickelten Gasdrucklader SWT-38 oder SWT-40. Aber rund 51 000 ausgesuchte Exemplare kamen davon als Scharfschützengewehre mit dem PU-Zielfernrohr bestückt an die Front.

Die überwiegende Zahl der "Snaiper", wie die ZF-Schützen nach englischem Vorbild auf russisch hießen, führte aber Repetierer. Viele bevorzugten sogar — wie der Stalingrad-Held Wassili Zaitsew — den älteren Waffentyp anstelle des modernen Halbautomaten: Der Handlader war zuverlässiger, schoß genauer und konnte eine Schützenstellung im Einsatz nicht durch eine unkontrolliert herausfliegende Patronenhülse verraten, wie Zaitsew nach dem Krieg einem Interview-Partner schilderte.

In der Regel entstanden die Mosin-Nagant-Scharfschützengewehre als Produkte der Serienfabrikation: Im Werk sonderten Vorarbeiter beim Anschuß besonders gut schießende Exemplare für die Weiterverarbeitung aus. Die notwendigen Modifikationen bezogen sich vor allem auf den gekrümmten und verlängerten Kammerstengel. Der Abzugswiderstand wurde etwas gemindert, einige Baureihen erhielten auch einen Druckpunktabzug nach den Ideen der Ingenieure Kabakow und Komaritsky.

Auf die allererste Produktionsserie kamen noch die aus der Weimarer Republik importierten Zeiss-Dialythan-Zielfernrohre. Die wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland und die Zusammenarbeit der Roten Armee mit der Reichswehr funktionierten ja Ende der 20er und Anfang der 30er Jahre noch vorbildlich. Ab Januar 1929 begannen in Jena bei den Carl-Zeiss-Werken auch die Vorbereitungen für eine Wirtschaftshilfe ganz besonderer Art: Die Thüringer entwickelten optische Visiereinrichtungen nach den Wünschen der Roten Armee. Die entsprechenden Werkzeuge, Lehren und Maschinen zur Produktion gingen dann nach Rußland, Vorarbeiter und Werksleiter reisten gleich mit, um die Fertigungsanlagen vor Ort aufzubauen, einzurichten und anzufahren.

Vom Zeiss zum PE

Die Zeiss-Gläser waren vorerst fest auf der Systemhülse und links am Systemgehäuse mit zwei Ringen fixiert. Doch bei der Truppenerprobung traten einige Nachteile zutage. Also ließen sich die Sowjets von der deutschen Firma Emil Busch AG in Berlin-Rathenow eine neue Optik nach dem Zeiss-Vorbild entwickeln. Busch hatte bereits im Ersten Weltkrieg eine große Menge ZFs an das Kaiserheer geliefert und somit entsprechende Erfahrungen. Auch dieses Modell konnte in der Sowjetunion auf den aus Deutschland importierten Maschinen gebaut werden.

Im Sprachgebrauch der russischen Armee lief das vierfach vergrößernde Glas unter der Modellbezeichnung "PE" (in Bolotins Werk aber PT). Das Kürzel steht im Russischen für "einheitliches Modell". Die ZFs saßen dank einer Mittelmontage auf der vorderen, anfangs noch kantigen Systemhülse. Sechs Schrauben hielten den Montagesockel, zwei große Rändelschrauben auf der linken Waffenseite befestigten den Montagefuß an der Schiene des Unterbaus. Das PE zeichnete sich durch eine Sehschärfe-Verstellung aus, die über einen breiten Ring am Okular erfolgte. Meist findet sich auf der Okularhülse auch noch eine reichhaltige Modellbeschriftung mit Hammer und Sichel, dem Kürzel "OBO (obrazet goda) 1931" für "Modell des Jahres 1931" und zwei weiteren kyrillischen Buchstaben-Kürzeln, die für "Militärisches Zielfernrohr" und "Militärische Produktionsabteilung" stehen. Dazu kamen noch die Seriennummer der Optik und das Jahr.

Später — ungefähr ab 1936 — beschränkte man sich auf die Seriennummer und das Jahr der Fertigung. Ab 1934 kam eine zweite Version des PE auf, bei der der Verstellring für die Sehschärfe mehr zur Mitte des Rohres und nicht mehr an der Okularhülse saß. Bei den folgenden Gläsern gravierte man Herstellungsjahr und Nummer auf den kantigen Flächen des Sockels neben der Einstelltrommel für die Entfernung. Das PE wurde so noch bis 1939 gebaut.

Ab 1936 wechselte die Erscheinungsform des Mosin-Nagant-Gewehrs: Statt der kantigen Verschlußhülse gab es nun nur das runde Profil. Entsprechend mußte der Montagesockel verändert und innen abgerundet werden. So läßt sich die Montage für das erste Modell PE recht leicht von den jüngeren, abgerundeten Stücken unterscheiden. Außerdem fiel ab 1940 ein Schraubenpaar weg, so daß nur noch vier Schrauben den Sockel mit dem Gewehr verbinden.

Generell erhielt der Sockel die Seriennummer des Glases eingeschlagen. Aber eine nummerngleiche Ausführung zu finden, ist schon Glückssache. Denn natürlich wurde während der Kriegsjahre bei der Truppe da viel umgebaut oder schlicht verwechselt, und an der Front beschädigte Waffen kannibalisierte man. Ein (echtes) MN-Scharfschützengewehr mit PE-Glas befindet sich auch trotz fehlender Nummerngleichheit auf dem Sammlermarkt weit jenseits der 2000-Mark-Grenze. Dabei stellte man gar nicht wenige solcher Waffen her: Der Buchautor Karl-Heinz Wrobel, der sich auf russische Archive in Ischewsk stützte, nennt für 1933 bereits einen Jahresumfang von 1347 Gewehren, der sich im folgenden Jahr auf 6637 und bis 1936 auf 12 752 Stück steigerte. Zwei Jahre später liegt die Jahresproduktion knapp unter 20 000 Waffen.

Vom PEM zum PU

Ab 1937 setzte sich in der russischen Militärindustrie die Überzeugung durch, daß sich das ZF noch vereinfachen ließe. Da die jungen Männer und Frauen, die zur Scharfschützenausbildung gelangten, ohnehin keine Sehfehler haben durften, entfiel am Glas auch eine Schärfe-Einstellung. Also ließ man sie ab 1937 kurzerhand weg und nannte das neue Stück nun "PEM", was für "Einheitliches Modell, modernisiert" steht (bei Bolotin VP).

Allerdings zeigte sich die Truppe mit der ziemlich kurzen Mittelmontage wenig glücklich. Sie neigte dazu, sich durch das über 800 Gramm hohe Eigengewicht im Rückstoß zu lockern (siehe "Von Schießtests und PU). Angeregt durch ähnliche Konstruktionen in Deutschland und Schweden, entwickelten die Konstrukteure um 1938 eine längere Seitenmontage, die binnen zwei Jahren die Mittelmontage völlig verdrängte. Eine einzige Rändelschraube verankerte den Montagefuß auf der sich konisch nach vorn erweiternden Montageschiene. Die Sockelschiene selbst saß durch zwei große Schrauben fest mit der Verschlußhülse verbunden. Je eine Fixierschraube arretierte noch jede Schraube. Anders als die Mittelmontage erlaubte diese aufwendig herzustellende Konstruktion ein seitliches Verschieben mittels zweier großer Schrauben am hinteren Montagefuß. Das 276 mm lange Glas und die Montage brachten zusammen gut 1010 Gramm auf die Waage.

Im berüchtigten Winterkrieg von 1939/40 gegen Finnland zeigten sich die Schwächen der Roten Armee, aber auch die taktischen Möglichkeiten des Scharfschützeneinsat-zes. Die Repetierer-Produktion wurde drastisch erhöht: 1939 und 1940 fertigten die Gewehrwerke von Tula und Ischewsk pro Jahr zusammen knapp 1,4 Millionen Gewehre 91/30 und über 50 000 Scharfschützengewehre. Gleichzeitig erfuhr Tokarews Gasdrucklader seine Feuertaufe.

Das Ende des russisch-finnischen Krieges brachte auch einen Herstellungsstop für das Mosin-Nagant-Gewehr: Ab jetzt sollte die Infanterie mit den neuen Selbstladern ausgestattet werden. Und für das SWT-40 gab es ein neues Glas: das mit 168 mm recht kurze 3,5fache "PU" (das Kürzel steht schlicht für "Zielfernrohr"). Leider erfüllte der Halbautomat nicht die in ihn gesetzten Hoffnungen. Vor allem bei der Präzision haperte es, so daß die Sowjetunion nach dem Kriegsausbruch mit Deutschland zur Herstellung der Repetierer zurückkehrte. Im Herbst 1942 endete auch alle Arbeit am Tokarew. Dagegen setzte in den ersten Monaten von 1942 nun wieder die Produktion von Mosin-Nagant-Scharfschützengewehren ein. Aber die PEM-Seitenmontage eignete sich nicht gerade für eine Massenproduktion in Kriegszeiten. Die Fertigung fiel zu materi-al- und zeitaufwendig aus. So überrascht es nicht, daß 1942 eine völlig neue Konstruktion für das nun leicht vereinfachte PU auftauchte — eine selbstzentrierende blockartige Seitenmontage, Gesamtgewicht mit Glas: nur 520 g.

Statt der maximal einstellbaren Schußentfernung der alten PE- und PEM-Gläser, die bis 1400 m betrug, reichte das neue Modell nur noch bis 1300 Meter. Als Substanz für den Tubus der PUs verwendeten die Russen vorwiegend Stahl, wobei aber auch seltenere Stücke aus Aluminium vorkamen. Die Version aus Leichtmetall unterschied sich durch einen Sockel, auf dem sich die Verstelltrommeln befanden — die Trommeln auf den Stahlrohren saßen direkt auf dem Zylinder. Keine der beiden Versionen besaß eine Sehschärfe-Einstellung.

Das "snaiperskaya vintovka obrazet goda M 1891/30" überdauerte den Zweiten Weltkrieg und blieb bis Ende der 60er Jahre im Dienst der Sowjetarmee, als schließlich die vollständige Einführung des Nachfolgers, des Gasautomaten Dragunow oder SVD, stattfand. Als ZF-Gewehr diente das Mosin-Nagant auch in verschiedenen Armeen des Warschauer Paktes und an zahlreichen Konfliktschauplätzen der Nachkriegszeit: so unter anderem in den israelisch-arabischen Kriegen, in Korea und Vietnam sowie in Afrika. Ungarn erhielt 1948 zur Aufstellung seiner Armee ebenfalls die M 91/30 mit PU-Zielfernrohren. Zwei Jahre später begann dann bei der Firma FEG die eigene Lizenzfertigung, die mit der russischen Ausführung völlig baugleich ist. Die ungarischen Waffen erkennt man an dem Ländercode-Stempel "02" in einem Oval, das sich auf allen wichtigen Teilen findet.

Auch die 1949 gegründete DDR erhielt ihre Lieferung MN-Scharfschützengewehre mit ZF PU von "den Freunden" in einer bis heute unbekannten Anzahl. Allerdings fanden sich auch NVA-Dienstvorschriften, in denen sogar noch das alte PE mit Sehschärfe-Einstellung beschrieben wurde. Die Waffen behielten allesamt ihre sowjetischen Stempel. Da sie aber wegen ihres Alters oft überarbeitet oder neu geschäftet werden mußten, gibt es auch Stücke mit DDR-typischen Abnahme-Zeichen, oftmals Zahlen und Buchstaben wie "1001", "VZK" oder "K 100".

Echt oder nicht?

Aufgrund der weiten Verbreitung liegt die Vermutung nahe, daß es Mosin-Nagants mit Zielfernrohren wie Sand am Meer gibt. Doch die Scharfschützenwaffen gelten als rar und daher als teuer. Und das ruft Fälscher und Bastler auf den Plan. Nichts ist leichter, als den stummelartigen, geraden Kammerstengel mal eben zu verlängern und umzubiegen und etwas vom Schaft wegzufräsen, um Platz für die Montage zu schaffen. Oft kann man aber Fälschungen schon daran erkennen, daß der Kammerstengel sich nicht im richtigen Winkel befindet. Er steht dann zu weit vom Schaft ab oder ist zu stark nach hinten oder vorn gebogen. Ein weiteres Kriterium: Die für die Montage abgefrästen Kanten des Schaftes müßten bei einer stark benutzten Waffe im Laufe der Zeit abgerundet und abgenutzt sein. Sehen die Winkel des Holzes dagegen scharfkantig und frisch aus, so ist Vorsicht geboten. Als Indizien dienen Stempel und Nummern. Experten wie der Deutsche Karl-Heinz Wrobel oder der Amerikaner Vic Thomas raten, nicht nur die Stempel auf den Hauptteilen zu überprüfen, sondern insbesondere auch auf den Kleinteilen nachzusehen, ob sich dort die für den Hersteller korrekten Marken befinden. Mitte der 30er Jahre gebaute Gewehre passen nicht zu PU-Gläsern, genauso wenig, wie Exemplare von 1944 mit Mittelmontage und PEM-Optiken. Schon ein 1942er Gewehr mit PEM-Seitenmontage gilt als echte Rarität, denn Ischewsk baute diese Variante nur wenige Monate lang, bis die Herstellung der PU-Version auf vollen Touren lief.

Indizien und Beweise

Die besten Hinweise für Herkunft, Vollständigkeit sowie Urbestimmung der Waffe stellen die Herkunftszeichen auf der Laufwurzel hinter dem Visier. Nach 1928 gab es neue Stempel. Ischewsk zeichnete hier mit einem gefiederten Pfeil im Dreieck. Das gleiche Symbol findet sich in verkleinerter Form an vielen Teilen wie den Laufringen, dem Magazinkasten oder dem Visiersockel. Auf der Laufwurzel steht auch der Eigentumsstempel der SU, ein Lorbeerkranz mit Hammer und Sichel, darunter das Herstellungsjahr und eine meist vierstellige Seriennummer. Von den beiden großen Gewehrfabriken der Sowjetunion, Tula und Ischewsk (Sestroretsk degenerierte nach dem Bürgerkrieg zur Reparaturanstalt) fertigte Ischewsk die überwiegende Menge an Scharfschützengewehren: 1942 bis 1958 verließen insgesamt rund 275 250 PEM- und PU-Versionen das Werk. Die Großproduktion von PU-Waffen endete aber bereits 1944. Bislang tauchten keine echten 1945er Exemplare auf. In den Jahren danach beschränkte sich die Fertigung auf Kleinserien, zuletzt 100 Stück anno 1958. Tula produzierte PU-Waffen nur 1943 und 1944, von daher sind solche Waffen seltener auf dem Sammlermarkt und teurer. Das Werk markierte die Waffen mit einem fünfzackigen Sowjetstern und einem Pfeil darin. Dieses Zeichen kommt auch als Schaftmarke vor. Will man den Werksnummern glauben, baute Tula anscheinend auch Scharfschützengewehre in Serie und wählte nicht nur präzise Exemplare aus der laufenden Massenfertigung aus. In jedem Fall aber weiß man bei Tula-Waffen, wenn man ein echtes russisches Scharfschützengewehr in den Händen hält. Denn alle Exemplare wurden auf der Laufwurzel neben dem Stern mit einem C und einem kyrillischen Buchstaben gekennzeichnet, der einem nach unten umgekehrten U gleicht: Die Zeichen stehen für "snaiperskaya provernaya" — getestet für Scharfschützen. Leider machten sich die Waffenmeister aus Ischewsk diese Mühe nicht.

Eine echtes russisches SSG mit PEM oder PU verfügt auch noch über die hohe, linke Wand an der Verschlußhülse. Normale Infanteriegewehre schliff man hier schräg ab, um das Laden mit Patronenstreifen zu erleichtern. Im allgemeinen fiel auch das Finish an den Waffenteilen und am Schaft besser aus.

Nach '45 wurden zahlreiche Gewehre in den SU-Arsenalen überarbeitet, gecheckt und gegebenenfalls sogar neu durchnumeriert. Solche Waffen tragen meistens zweistellige Jahreszahlen wie "51" auf dem Lauf und an der Optik ein kleines durchkreuztes Viereck als Kontrollzeichen. Dazu kommen auch die Arsenalwaffen aus meist unbenutzten Beständen, die eine Art Kriegsreserve für den extremen Notfall darstellten. Auf dem ZF-Montageblock wurde die Waffennummer mit einem elektronischen Graviergerät eingeritzt — nicht schön, aber tatsächlich so in den sowjetischen Werkstätten durchgeführt. Davon gelangten in den letzten Jahren große Stückzahlen in den Handel, aber der Nachschub ist nun versiegt. Da die Nachfrage anhält, bauen die Optikfabriken heute die alten Gläser und Montagen nach.

Dagegen bastelte zum Beispiel die kanadische Großhandelsfirma Century vor über zehn Jahren ZF-Gewehre zusammen, indem sie russische MN-Infanteriegewehre aus finnischen Surplus-Beständen mit PU-Gläsern versah: Sie lassen sich an den Herstellungsdaten aus den 30er Jahren, an schlecht abgeänderten Kammerstengeln und an den Schaftausschnitten recht leicht erkennen.

Die Autoren danken Karl-Heinz Wrobel, der ihnen die Waffen überließ und das entsprechende Zubehör für die Fotozwecke zur Verfügung stellte. Davon abgesehen leistete er tatkräftige Unterstützung bei der Entstehung dieses Artikels.




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