Nach Abschluß der Schießwettbewerbe: Klassenziel knapp erreicht
Das können zumindest die deutschen Pistolen- und Wurfscheibenschützen nach Abschluß der olympischen Schießwettbewerbe vermelden. Für die Gewehrschützen, die gerade bei den Damen mit viel Vorschußlorbeer nach Peking gereist waren, sieht die Zukunft düster aus.
Die drei Medaillen-Gewinnerinnen im Skeet: Kimberly Rhode (USA/links), Siegerin Chiara Cainero (Italien) und Christine Brinker
Die erfolgreichen Schützen zuerst: Christine Brinker (Skeet) und Munkhbayar Dorjsuren (Sportpistole) gewannen Bronzemedaillen, ebenso gab es eine Bronzemedaille für Christian Reitz mit der Schnellfeuerpistole. In dieser Disziplin konnte sich der dreifache Olympiasieger Ralf Schumann sogar Silber sichern, auch schon seine zweite olympische Silbermedaille.
Hochfavorisiert war, wieder einmal, Sonja Pfeilschifter mit Luft- und KK-Gewehr an den Start gegangen, und wieder reichte es nicht zum Einzug ins Finale. Wohlgemerkt: 396 von 400 möglichen Ringen mit dem Luftgewehr ist durchaus eine Weltklasse-Leistung – es gab aber zahlreiche andere Damen, die im Vorkampf besser trafen und auch im Finale ihre Nerven im Griff hatten.
Die meisten Pressemitteilungen des Deutschen Schützenbundes, der auf seiner Website lobenswert zeitnah berichtete, endeten daher mit „knapp am Finale vorbei“ – und das bedeutet gleichzeitig, daß die verschärften Förderbedingungen des Deutschen Olympischen Sportbundes, der hauptsächlich Medaillengewinner unterstützen will, nach Olympia greifen. Manch durchaus international erfolgreicher, aber bei Olympia patzender Athlet muß sich Gedanken um seine finanzielle Zukunft machen.
DSB-Präsident Josef Ambacher hatte sich noch vor den Spielen skeptisch gezeigt, weil einige qualifizierte Schützen es nur knapp geschafft hatten und kaum Endkampfchancen hatten. Nun mußte er zum Abschluß gute Miene zum traurigen Spiel machen: „Wir haben mit vier Medaillen ein herausragendes Ergebnis erzielt. Es ist immer schade, wenn kein erster Platz dabei ist, aber die zweiten und dritten Plätze sind für mich gleichbedeutend und alle anderen, die an den Start gegangen sind, haben ebenfalls Anteil an dem Erfolg. Bei uns in Bayern heißt ein Sprichwort: Die, die unten drin liegen, haben auch mitg’rauft – dies gilt für das gesamte Team, das unser Land in Peking sehr gut vertreten hat. Ich freue mich für unsere Sportler, für unsere Bundestrainer, die hervorragende Arbeit geleistet haben, auf die wir stolz sein können und für die Betreuer, die dafür gesorgt haben, dass es den Sportlern an nichts fehlt.“
Das deutsche Team im Einzelnen:
Luftgewehr Damen:
Sonja Pfeilschifter 12. Platz mit 396 Ringen, Barbara Lechner 17. mit 394 Ringen
Luftgewehr Herren:
Timo Mohaupt mit 593 Ringen Platz 15, Michael Winter mit 588 auf Rang 36
KK-Sportgewehr Damen:
Barbara Lechner verpaßte den Einzug ins Finale um drei Ringe und belegte mit 582 Zählern Rang neun. Sonja Pfeilschifter wurde 17. mit 578 Ringen.
KK 60 Schuß liegend Herren
Maik Eckhardt mit 592 Ringen auf dem 24. Platz, Michael Winter folgte mit 590 Zählern auf Rang 31.
KK 3 x 40 Schuß Dreistellung:
Maik Eckhardt mit 1169 Ringen auf Platz 9 und ringgleich einen Ring am Finale vorbei (hier entscheiden die besten letzten Serien aus dem Vorkampf über den Finaleinzug). Michael Winter landete mit 1166 Ringen auf dem 17. Platz
Luftpistole Damen:
Claudia Verdicchio 10. Platz mit 383 Ringen, Munkhbayar Dorjsuren 24. mit 379 Ringen
Luftpistole Herren:
Hans-Jörg Meyer belegte mit 577 Ringen den 21. Platz, Florian Schmidt wurde 38. mit 571 Ringen.
Freie Pistole Herren:
Hans-Jörg Meyer mit 557 Ringen auf Platz 13, Florian Schmidt mit 549 Ringen auf Platz 29
Sportpistole Damen:
Munkhbayar Dorjsuren gewinnt Bronze (Vorkampf 587/Finale 202,2). Stefanie Thurmann landet mit 576 Ringen auf Platz 23.
Christian Reitz gewinnt Bronze (Vorkampf 579/Finale 200,3)
Trap Damen:
Susanne Kiermayer als einzige deutsche Starterin wurde verletzt 8. mit 65 Treffern, 67 Wurfscheiben wären für das Finale notwendig gewesen.
Trap Herren:
Karsten Bindrich 7. Platz (die ersten sechs gingen ins Finale) mit 119 Treffern
Stefan Rüttgeroth mit 113 Treffern auf Rang 24
Doppeltrap Herren: kein deutscher Starter
Skeet Damen:
Mit 93 Treffern, neuem olympischen Finalrekord, standen nach dem Finale Chiara Cainero (Italien), Kimberly Rhode (USA) und die DSB-Schützin Christine Brinker treffergleich. Ein Shoot-off mußte also die Entscheidung um die Medaillen bringen. Die Italienerin traf beide Scheiben und gewann Gold, Rhode und Brinker mußten nochmals um Silber stechen, was die Amerikanerin mut 2:1 für sich entschied.
Skeet Herren:
Tino Wenzel wurde mit 117 Treffern 13. und Axel Wegner, der Olympiasieger von 1988, belegte mit 115 Treffern Rang 20.
Bogen Damen: Im Einzelwettbewerb des Bogenschießens ist die einzige deutsche Teilnehmerin, Anja Hitzler, gegen die Olympiasiegerin von Athen 2004 und Titelverteidigerin, Sung-Hyun Park (Südkorea), in der zweiten Runde mit 107:112 ausgeschieden.
Bogen Herren: Auch für Jens Pieper kam im Bogenschießen schon in der ersten Runde des Einzelwettbewerbs bei den Olympischen Spielen in Peking das Aus.
-ue-
Olympische Schießwettbewerbe 9. bis 17. August 2008
Olympia 2008 in Peking - Daten, Zahlen, Zeiten
Pünktlich zum Beginn der Olympischen Sommerspiele und zu den traditionell gleich zu Beginn stattfindenden Schießwettbewerben informiert Sie die Redaktion VISIER über die einzelnen Disziplinen, die deutschen Starter, ihre Schießzeiten und weiterführende Links (alle Links öffnen in einem neuen Fenster!).
Ralf Schumann (Stockheim/Foto) hat nach drei Olympiasiegen 1992, 1996 und 2004 sowie einem zweiten Platz in Seoul 1988 mit 779,5 Ringen (Vorkampf 579/Finale 200,5) seine zweite Silbermedaille bei Olympischen Spielen gewonnen.
Christian Reitz (Kriftel), der Weltrekordler in dieser Disziplin, gewinnt bei seinem ersten olympischen Auftritt nach einem dramatischen Finale mit 779,3 Ringen (Vorkampf 579/Finale 200,3) die Bronzemedaille. Olympiasieger wurde Oleksandr Petriv (Ukraine) mit neuem olympischen Rekord von 780,2 Ringen (Vorkampf 580/Finale 200,2). (DSB-Presseinfo)
Munkhbayar Dorjsuren gewann die Bronzemedaille mit der Sportpistole.
Die mit 587 Ringen zweitbeste Schützin nach dem Vorkampf (292 Ringe Präzision/ 295 Ringe Duell) lag nur knapp hinter ihrer ehemaligen mongolischen Teamkollegin Gundegmaa Otryad, die mit 590 Ringen den olympischen Rekord einstellte. Im Finale jedoch begann die deutsche Sportsoldatin mit einer schwachen Serie von 48,7 Ringen (mit Zehntelringwertung), während Otryad und die Chinesin Ying Chen mit je 52,5 Ringen furios starteten. Nach den vier Fünf-Schuß-Serien des Finales konnte sich die Chinesin Chen die Goldmedaille sichern, Silber ging an Otryad, und die 39jährige aus Neubiberg, die 2002 bereits Weltmeisterin war, gewann Bronze, die erste Sportpistolen-Medaille für Deutschland überhaupt.
Daß an den bisherigen immerhin fünf Schieß-Tagen in Peking kein anderer deutscher Schütze überhaupt ein Finale erreichte, kam nicht immer überraschend, etwa bei den Herren mit Luft- und Freier Pistole. Vielleicht ist durch das Edelmetall von "Munkh", wie sie die Teamkollegen nennen, der Knoten geplatzt - Sportdirektor Heiner Gabelmann hofft nun, daß mit den morgigen Starts von Sonja Pfeilschifter mit dem KK-Sportgewehr, Axel Wegner (Olympiasieger 1988) im Skeet oder die beiden Schnellfeuer-Asse Ralf Schumann und Christian Reitz (alle am Samstag) noch mehr metallische "Hindernisse" für die Flughafen-Röntgenkontrolle im deutschen Gepäck landen... -ue-
Bisher nur "Fahrkartenausgabe" bei deutschen Schützen
Auch nach drei Olympiatagen halten sich die deutschen Olympia-Schützen an die scheinbar für das gesamte deutsche Team geltende Regel, alle Medaillen zu vermeiden (1 x Bronze für die Wasserspringerinnen ausgenommen).
Abhinav Bindra, Olympiasieger 2008 mit dem Luftgewehr (hier mit einem Walther LG 300 XT im Alu-Schaft mark 1 und mit "free sight"-Diopter, beides von MEC. In Peking trat er aber mit dem "normalen" Walther Alu-Schaft an.)
Auch beim Luftgewehr-Finale der Männer, das heute am frühen Morgen in Peking ausgetragen wurde, blieb der 15. Rang von Tino Mohaupt die Top-Leistung. Michael Winter, dessen Stärke aber eher das KK-Liegendschießen ist, landete mit 588 Ringen noch weiter hinten auf Platz 36.
Den neuen Olympiasieger dürften allerdings viele deutsche Schützen kennen: es ist der sympathische Inder Abhinav "Abi" Bindra, der bei seinen Deutschland-Trainingsbesuchen von den VISIER-Autoren Heinz Reinkemeier und Gaby Bühlmann betreut wird. Mit insgesamt 700,5 Ringen (Vorkampf 596/Finale 104,5) gewann der Inder die Goldmedaille vor dem Olympiasieger von Athen 2004, Qinan Zhu (China), der im letzten Schuss noch an dem Finnen Henri Häkkinen vorbeizog und mit insgesamt 699,7 Ringen (Vorkampf 597/Finale 102,7) die Silbermedaille gewann. Der als Erster aus dem Vorkampf ins Finale gezogene Finne kam auf 699,4 Ringen (Vorkampf 598/Finale 101,4).
Die frischgebackene Europameisterin im Trap-Schießen, Susanne Kiermayer (Kirchberg) liegt nach zwei der drei 25er Durchgänge mit 43 Reffern auf dem zehnten Platz.
Viel Vorschußlorbeeren für Sonja Pfeilschifter, die erfolgreichste Schützin der letzten Jahre - außer bei Olympia
Sonja Pfeilschifter (37) aus Ismaning bei München ist Sportsoldatin - der dienstliche Befehl "Goldmedaille holen!" ist allerdings nicht so leicht auszuführen. Die Gewehrschützin (Luftgewehr und KK-Sportgewehr) gewann ihren ersten Weltcup schon 1992, die letzten beiden in diesem Frühjahr beim "Heimspiel" in München mit neuen Rekorden, und zwischendurch war sie mehrfache Welt- und Europameisterin. Aber bei ihren beiden Olympia-Starts 2000 in Sydney landete sie unglücklich auf den Plätzen 4 und 5, und 2004 in Athen belegte sie zweimal den sechsten Platz. Nicht genug für die ehrgeizige Bayerin, die mit Hubert Bichler diesmal ihren eigenen Trainer mit nach Peking nimmt und die den offiziellen Bundestrainer Claus-Dieter ("CD") Roth am liebsten während ihrer Starts vom Schießstand verbannen würde. Der vor jedem Olympia-Match, nicht zuletzt von ihr selbst und ihrem Umfeld erzeugte Druck wirkte sich bislang eher bremsend aus. Daher ist ihr frühzeitiges "Abschalten-können" und eine Medaille in Peking zu gönnen - zumal sie am Samstagmorgen ab halb fünf als erste Sportlerin der 29. Olympischen Spiele aufs Treppchen steigen kann. Am besten aufs oberste... UE