
| IWA 2005 Tag 1/2 | Auf die Feinheiten kommt es an |
Keine umlagerten Sensationen, eher kleine versteckte Finessen: die 32. IWA in Nürnberg nach dem ersten Tag.
|
|
Wilfried Nill (rechts) gewann den Sonderpreis "Jahresmesser 2005
|
Olaf Sauer, der neugewählte Präsident des JSM (Verband der Hersteller von Jagd-, Sportwaffen und Munition), mahnte die Branche: "In Deutschland sind viele Händler von einer Insolvenz bedroht. Neben der schwachen Konjunktur sind auch die nicht vorhandenen Verwaltungsvorschriften Grund für die Misere, da Behördenvertreter keine klaren „Anweisungen" haben, wie das Waffengesetz in manchen Fällen auszulegen ist. Aus der Angst heraus etwas Falsches zu machen werden von vielen Behörden eher keine Erlaubnisse erteilt. Aus Sicht der Behördenvertreter eventuell nachvollziehbar, für Jäger und Schützen und letztendlich natürlich auch für Handel und Industrie sicher eher unbefriedigend und nicht akzeptabel. (...)Doch nicht allein mit der Verabschiedung der Verwaltungsvorschriften ist mit Umsatzzuwächsen im Inlandsgeschäft zu rechnen. Hierzu müsste der deutsche Waffenfachhandel eventuell auch ein aktiveres Handeln an den Tag legen. So ist es sicherlich bedauerlich feststellen zu müssen, dass die Anzahl deutscher Fachhändler auf der IWA stetig zurückgegangen ist, während der Anteil der ausländischen Fachbesucher gewachsen ist. Schade, dass gerade eine Vielzahl der deutschen Fachhändler nicht die Chance nutzt, sich im eigenen Land einen umfassenden Überblick über alle Neuheiten auf dem Waffen-, Munitions-, Messer- und Zubehörbereich zu verschaffen."
Einige Händler fehlen also offenbar, dennoch waren die Gänge der mittlerweile sechs Hallen in Nürnberg wie üblich gefüllt - wie mancher Aussteller stöhnte: "Alles Endverbraucher...". Was die Messeleitung durch den neuen "Consumer Monday" auf den Abschlußmontag lenken wollte, scheint zumindest an den ersten zwei Tagen wenig bewirkt zu haben. Die über die die IWA tragenden Verbände VDB (Büchsenmacher) und JSM (Hersteller) angebotenen Eintrittskarten wurden, so ergab eine kleine VISIER-Umfrage, kaum abgefordert. Es dürfte aber auch keine Fachmesse geben, die ihren Publikumstag auf den unattraktiven (und einen Urlaubstag fordernden) Montag legt. VISIER wird die Ausstellungsleitung wie die IWA-Planer nach Messeschluß kritisch zu den Erfahrungen mit der vorsichtigen Öffnung befragen.
Wenn auch tatsächliche Knaller wie etwa die Walther-Sportpistole SSP eher unter Wert und verschämt gezeigt wurden, mußten die Besucher die durchaus vorhandenen Neuheiten mühsam herauskitzeln. Viele Modelländerungen und -verbesserungen, Detaillösungen und pfiffiges "Kleinklein", das ist 2005 die Devise. Wer die Besucher an seinen Messestand locken will, greift dann schon mal zu ungewöhnlichen Werbemitteln wie etwa Holsteranbieter "Radar": die mit knappsten Hotpants unbekleideten Damen hatten die Standnummer auf eben diesen sichtbar aufgeklebt und zogen bei jedem Durchgang durch die Hallen scharenweise männliche Interessenten 8für was auch immer) hinter sich her. (als dezenter Hinweis für die Besucher der nächsten Tage gedacht...)
Neuheiten in Stichworten, in einer Messe-Kaffepause subjektiv notiert: Neue Matchluftgewehre bei Anschütz (Preßluftmodell 8002, Stand 512 in Halle 1), Steyr (Vereinsmodell LG 20, Match-Luftgewehr LG 110 in Hall1, Stand 613), Tesro (neues Preßluftgewehr) und Hämmerli (AR 30 als abgespeckte, leichte Version). Hämmerli wagte auch gegen den Trend der anspruchsvollen, aber langsam aussterbenden Disziplin Freie Pistole die neue FP 60 zu präsentieren, die vom Design ansprechender als der Vorgänger FP 10 daherkommt (Stand 102 in Halle 1). Prommersberger (Halle 3, Stand 133) zeigt eine 1911-Government - nichts Neues? Diese doch: sie kommt, ohne daß es aufgeblasen wirkt, im 50er Mammutkaliber. Auf ein weiteres Mammutkaliber warteten alle Besucher vergebens: Smith & Wessons neue .460er Revolver waren nicht im Gepäck ("unvorgesehene Komplikationen bei der Einfuhr"), daher blieb auch bei den beiden Importeuren WISCHO (3-327) und AKAH (3-117) eine Lücke in der Vitrine.
Traditionell während der Eröffnungsfeier wurde wieder der "International Knife Award" verliehen, zu dessen Jury auch VISIER-Messerspezialiste Matthias S. Recktenwald gehört. Moderator der Ehrung war wieder der bekennende Messerfan Björn-Hergen Schimpf, der die Preisträger mit launigen Worten präsentierte. Überraschend im Messerlager: Wilfried Nill, bisher bekannt als Produzent erstklassiger Kurzwaffen-Holzgriffe, gewann den Sonderpreis "Jahresmesser". offizieller Pressetext über die Verleihung der Preise
So also sieht das brandneue Steyr LG 20 aus - oder auch nicht. die knapp zur IWA fertiggewordene Vereins- und Nachwuchswaffe steht zwar von der Technik, nicht aber vom Aussehen fest. Also befragt Steyr während der IWA alle Standbesucher, ob sie lieber Buche oder Schichtholz für den Schaft wünschen, lieber blaue, rote oder silberne Kartuschen undundund - mit viel Glück kann nach einer Ziehung aus allen Stimmkarten einer der "Berater" ein Gewehr gewinnen. zur kompletten Eröffnungsrede auf www.iwa.info
|
 |

|