
| 23. Mai 2006 | Schützen und Schießsport - "at its finest" in Kroatien ... |
... im Lande von Winnetou und Old Shatterhand. Ein eindrucksvoller Tag, den man treffend auch "Mit Kutte, Koffer und Kanone" überschreiben könnte.
Ein Bericht von Thomas L. "Arizona Tom" Dobert Fotos: Susanne Putsche
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Da raucht die Gemmer-Sharps, und Pater Ivan Matic hat seinen Spaß daran ... |
Vorbemerkung des VISIER-online-Teams: In diesem Bericht dreht es sich nicht nur darum, wie man mit einer Menge Enthusiasmus Werbung für eine neue Sportart macht und so neue Begeisterung für unser schönes Hobby sät. Er ist auch ein Beweis dafür, wie unverkrampft und zwanglos man sich in anderen Ländern dem Thema Schießsport nähert. (MSR)
Am Samstag, den 20. Mai 2006, strebten im Morgengrauen aus vielen Gegenden dieses schönen Landes Männer und Frauen mit ihren Sportgeräten im Gepäck und auf Einladung von Gospodin Dubravko Gvozdanovic in die Hauptstadt Zagreb – genauer: an den Rand von Zagreb, um auf einem dort am Waldrand und in unmittelbarer Nähe mehrerer weiterer Sportzentren gelegenen Schießstand ihrem Sport nachzugehen.
Diese Männer und Frauen aus Osijek, Zagreb, Vodnjan und Pula, um nur einige der Städte zu nennen, aus denen die Schützen angereist sind – selbst in diesem „kleinen“ Land sind das bis zu 350 km einfache Fahrt! – sind also dorthin gepilgert, um der Einladung zu folgen, an einem IPSC-Match der "KPS PSC Delta" teilzunehmen. Dieser IPSC-Verein, der seit mehr als 10 Jahren unter der Leitung von Dubravko Gvozdanovic besteht, hatte eingeladen, an diesem Tage an einem kroatischen IPSC Rundenwettkampf teilzunehmen.
Zu diesen anreisenden Schützen(innen) zählte auch die in Kroatien lebende deutsche BDS-IPSC-Schützin Susanne Putsche. Durch ihre freundschaftliche und sportliche Verbindung zu dem Präsidenten des IPSC Vereines „Delta“, Dubravko Gvozdanovic, und in enger Zusammenarbeit mit dem stellvertretenden BDS-Bundessportleiter „Western-Schiessen“, Thomas L. Dobert (für internationale Kontakte des BDS in Europa zuständig), kam es dann dazu, dass bei diesem IPSC-Match auch das neu in Kroatien Einzug haltende „CAS“ -Cowboy Action Schießen nach den Regeln des BDS „Bund Deutscher Sportschützen 1975“ e.V. weiteren Schützen und einem interessierten Publikum vorgestellt – und vor allen Dingen – praktisch demonstriert werden sollte.
An diesem Morgen lagen dann also neben dem Range Bag der IPSC-Schützin auch die Western-Waffen des Cowboys „Arizona Tom“ im Fahrzeug und begaben sich mit auf den Weg nach Zagreb – und es sollte wahrlich ein interessanter Tag werden.
Gospodin (Hr.) Gvozdanovic begrüßte zunächst auf dem Schiessstand die anwesenden Schützen, Funktionäre und Zuschauer, um dann gleich in seiner Ansprache den Anwesenden mitzuteilen, dass eine interessante Demonstration einer neuen Schießsportart in Kroatien im Laufe des Tages vorgeführt werden solle. Er erklärte auch, dass die dazugehörenden Waffen etc. ganztägig zur Besichtigung ausgestellt werden würden, und hat dieser Ausstellung einen eigenen Platz an prominenter Stelle auf dem Schießstand zugewiesen.
Bei der Begrüßung durch die angereisten Schützen und zu Beginn des Wettkampfes auf der Schießanlage war uns als deutschsprachigen Teilnehmern natürlich sofort aufgefallen, dass wir auch – und gerne – auf deutsch angesprochen worden sind. Einige der Teilnehmer haben es zwar vorgezogen, die englische Sprache zu nutzen, jedoch war der Anteil der Leute, die uns in "unserer Sprache" begegnet sind, bemerkenswert hoch.
Das sportliche Geschehen entwickelte sich rapide und in der bekannten Manier solcher Turniere, der Organisator hatte 5 interessante und anspruchsvolle Stages, incl. einem „qualifier“, aufbauen und installieren lassen, die ein hohes Maß an Können von den Schützen verlangte. Insbesondere eine auf Stage 4 sich nach dem Öffnen einer Tür schnell (und nur ein Mal!) wegdrehende Scheibe hat viele der Schützen vor eine schier unlösbar scheinende Aufgabe gestellt – die aber von den meisten mit mehr oder weniger Erfolg dann doch beherrscht worden ist.
Während aller dieser Aktivitäten ließ das Interesse an den "Waffen ganz anderer Art" als die beim IPSC bekannten Selbstladepistolen auf dem Tisch mitten im unmittelbaren Wettkampfbetrieb niemals nach. Die dort ausliegenden Unterhebelrepetiergewehre (Winchester 1873 und 1892), zwei Revolver (Smith & Wesson #3 Schofield und Ruger Vaquero, Bisley) sowie eine Querflinte (Husqvarna im Kal. 12/65) zogen das Interesse und die Blicke der Schützen magisch an.
Die durchweg in ihren Bereichen fachlich versierten Betrachter durften natürlich die Waffen in die Hand nehmen und begutachten, daraus ergab sich dann so manches ergiebige Gespräch – und bei uns die Erkenntnis, dass in diesem Lande sehr viele Leute diese Waffen nicht nur kennen, sondern sie teilweise auch zu Hause im Schrank haben – und das durchaus schon seit Jahrzehnten!! Dazu gehört auch jener Range Officer, der „Arizona Tom“ während seiner Vorführung auf dem Stage begleitete: Gospodin Kamilo Hrzina, seines Zeichens Diplomgeologe...
Hier fingen nun für uns aber auch die Überraschungen der "besonderen Art" an!
Man weiß ja nun nie, wen man so alles auf einem Schießstand antrifft, die Leute kommen bekanntermaßen aus "allen Lebenslagen" und aus den verschiedensten Berufen und Anstellungen in den unterschiedlichsten Sparten und Bereichen auf diese (Sport-) Einrichtungen und Anlagen, um ihrem interessanten, vielseitigen und begeisternden (Schieß-) Sport nachzugehen.
An diesem Tag ist uns zunächst ein sehr gut deutsch sprechender und sehr freundlicher Herr in einem grünen Poloshirt aufgefallen, der sich sehr für die ausgelegten Westernwaffen interessiert hat. Und der durchaus fachkundig die eine oder andere Besonderheit dieser – und anderer – Waffen zu besprechen wußte.
Eigenartigerweise wurde dieser Mann im "besten Alter" von vielen der Anwesenden offenbar mit "Vater" angesprochen, was zunächst nur am Rand von uns bemerkt worden ist. Das ist dann aber deutlich — und letztlich erklärbar — geworden: Dieser freundliche Herr, der mit seiner umgeschnallten IPSC-Waffe wieselflink durch die Stages des Matches geflitzt ist und Treffer um Treffer in „A C“ gelandet hat, heißt Pater Ivan Matic --- und ist Leiter eines Jesuitenklosters in der Nähe von Zagreb und Pfarrer!
Dieser "Mann Gottes" — und überaus freundliche und sympathische Mensch — mit "Kutte und Kanone" hat dann auch am Nachmittag mit wachsender Begeisterung die Westernwaffen "heiß" gechossen (buchstäblich: "Arizona Tom" hatte für alle Waffen seine Lieblingsmunition mit "herben" Schwarzpulverladungen bereitgestellt).
Ein bemerkenswertes Erlebnis – aber nicht das einzige an diesem Tag: Ein weiterer Besucher der Veranstaltung, der ein T-Shirt der IPSC-Mannschaft aus Tel Aviv, Israel, trug war ebenfalls äußerst daran interessiert, diese ihm bisher noch unbekannten Waffen aus dem "Wilden Westen" kennenzulernen.
Auf sein T-Shirt hin angeprochen, hat er lächelnd zur Auskunft gegeben, dass er dieses Hemd dort in Israel – bei der Ausübung seines Sportes IPSC – von dieser Mannschaft als Geschenk überreicht bekommen habe. Er wäre dort "eine Zeitlang eingesetzt" gewesen. Auf Nachfrage stellte sich dann heraus, dass der freundliche Herr Hr. Zafirios D. Rossidis heißt — ein probater IPSC-Schütze ist —, und um ein "Schlagwort" aus einem anderen Genre zu benutzen, "Im Dienste der Krone" als Diplomat des Landes Giechenland damals in Israel – und derzeit eben in Zagreb, Kroatien, seinem Lande dient, bzw. gedient hat.
Gewissermassen also wie weiland "James Bond 007 - Für Ihre Majestät“ mit der "Kanone im Diplomatenkoffer", er nun im Dienste seines Landes, Griechenland, durch die Welt reist.
Auch dieser Herr entpuppte sich beim Betrachten seiner Finesse auf dem IPSC-Parcours als schneller und treffsicherer Schütze...
Außer der schon erwähnten deutschen BDS Schützin Susanne Putsche war (leider) "nur" noch eine junge Frau in dieser Mannschaft an diesem eindrucksvollen Tag am Start. Diese beiden Frauen zeigten aber ebenfalls – und wieder einmal – dass sie diesen actiongeladenen Sport IPSC ebenso schnell und treffsicher zu meistern und auszuüben imstande sind wie die Herren.
Am Nachmittag war es dann also dann so weit – die bereits begierig wartenden Schützen hatten ihre IPSC-Stages absolviert und versammelten sich dann erwartungsfroh, um dem „anderen Spiel“ zuzusehen und zunächst um „Arizona Tom“, aka Thomas L. Dobert zuzuhören. Dobert erklärte das CAS „Cowboy Action Schiessen“, führte aus, wie es beim BDS „Bund Deutscher Sportschützen 1975“ e.V. durchgeführt wird, und stellte die dazu benutzten und benötigten Waffen vor.
Anschließend wurden diese Waffen dann natürlich auf einer Stage („Indians are coming“) vorgeführt. Es wurde demonstriert, was an diesem attraktiven Action Sport so interessant ist und – nunmehr in (fast) ganz Europa zu einem so schnell wachsenden Sport hat werden lassen.
Insbesondere die Facette der authentischen Bekleidung und der damit verbundenen „Living History“ ist eines der zugkräftigsten Methoden, um die ganze Familie an dieser Freizeitbeschäftigung teilhaben zu lassen und sie alle in ein gemeinsames Erlebnis einzubinden. Jedes Land hat nun mal eben seine eigene und interessante Vergangenheit - und eben auch seine „Living History“!
Der auf einem der IPSC Parcours aufgebaute Western-Stage „Indians are coming“ sah 10 Schuss aus 2 Revolvern, 9 Schuss aus dem Unterhebelrepetiergewehr und 6 Schuss aus der Schrotflinte vor – und bald erfüllten nach dem „BEEP“ des Timers die Rauchwolken aus den Waffen der Schützen die sommerlich-warme Luft auf den Schießbahnen.
„Arizona Tom“ , der auch „Territorial Governor Germany“ der SASS (Single Action Shooting Society USA) ist, hat dann „nach Manier des Hauses“ alle interessierten Schützen aufgefordert, seine mitgebrachten Waffen selbst einmal auch auszuprobieren — ein Angebot, dem buchstäblich keiner der Schützen widerstanden hat ... zumindest so lange, bis die (reichlich) mitgebrachte Munition restlos verschossen worden war.
Eine der Waffen hatte es den Schützen besonders angetan, die auch in Kroatien dem „Holy Black“, dem Schwarzpulver also, die gebührende Reverenz erweisen:
Thomas Dobert hatte auch seine Gemmer-Sharps in .45-70 dabei, nebst einer reichlichen Portion Munition.
Schon bald erfüllte das satte „BUMM“ dieser „Buffalo Rifle“ ebenfalls die Ohren der Anwesenden mit „Sound“ – und die Augen und Nasen mit dem charakteristischen „Reiz“ und dem „Hauch der Geschichte“, wie ein Teilnehmer es ausdreuckte.
Der auch auf der Schießsportanlage anwesende Radioreporter, Hr. E. Pupcic, eines kroatischen Senders (natürlich auch ein IPSC-Schütze!!) hat sich im Laufe des Tages außerordentlich interessiert daran gezeigt, diese Sportart des CAS „Cowboy Action Shooting“ über seinen Sender einem breiten (Hörfunk-) Publikum näher bringen zu wollen. Er hat deshalb Susanne Putsche stante pede das Angebot gemacht, zu ihm in das Sendehaus nach Osijec zu kommen, um dort ein Interview für eine solche Sendung aufzuzeichnen. Ein Angebot, das selbstverständlich gerne angenommen worden ist!
Im Zuge dieser Gespräche stellte sich dann überdies seine Verbindung zu weiteren Medien in Kroatien heraus – er wird also auch auf Einladung von dem Range Master und Mitorganisator von den „DOT 2006“, Thomas L. Dobert, mit einem TV- und Radio- Reporterteam zu den CAS Europameisterschaften „Days of Truth 2006“ vom 17. – 20 August 2006 in 76111 Philippsburg, Germany, anreisen und zur Ausstrahlung in seinem lande diese EM in Bild und Ton aufzeichnen und dokumentieren...
Es ist immer wieder so erstaunlich, wen man alles „mit der Waffe in der Hand“ auf einem Schießstand und bei der Ausübung eines „ganz normalen Sportes“ antrifft ... am Rande einer wunderschönen und interessanten alten Stadt – Zagreb – in einem wunderschönen Land mit einer langen und interessanten Geschichte und das beileibe nicht „nur“ durch „Winnetou“ und Karl May..
Einem Land, das durchaus eine (Urlaubs!) Reise wert ist – und, Schützen, — nehmt eure Sportwaffen mit!
Auskünfte über „Rechte und Regularien“ einer solchen Reise erteilt gerne die BDS Schützin (und Rechtsanwältin!) Susanne Putsche, die auch die Bilder dieses Berichtes beigesteuert hat — und die selbst auch gerade dabei ist, in Kroatien, dem Heimatland ihrer Mutter, eine für jedermann zugängliche Schießstätte von den zuständigen Behörden genehmigen zu lassen...
Fazit:
..auf in den Süden – in die Sonne – in den Urlaub - oder zu einem Kurztrip !! – eventuell auch mit „Kutte, Koffer und Kanone“?
Stilgerecht gekleidet, erklärt Tom Dobert (l.) den kroatischen Schützenkameraden die Waffen und das Reglement des Western-Schießens.
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