
Olympia 2008
VISIER-Portrait: Olympische Schnellfeuerpistole 25 m
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 | Ralf Schumann, schon dreimal Olympiasieger mit der OSP - folgt Gold Nr. 4?
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Perfektionismus heißt die Devise in der exklusivsten Pistolen-Disziplin, die kurz und prägnant "OSP" abgekürzt wird. Denn bei der hohen Leistungsdichte unter den weltbesten Schützen kann ein Treffer außerhalb der Zehn schon den Sieg kosten. Die Ringzahlen nahe am Maximum spiegeln kaum die nervliche Anspannung wieder, die Schützen wie Zuschauer besonders in der schnellen Vier-Sekunden-Serie erfaßt. Früher konnte jeder Sportler die nächste Serie individuell durch sein Kommando starten lassen. Seit alle Schützen eines Durchgangs gemeinsam auf das Kommando "3 - 2 - 1 - Start!" des Schießleiters in die 45 Grad abgesenkte "Fertig"-Armhaltung gehen, wird der Vorbereitungsrhythmus von außen aufgezwungen. Dann hilft nur noch die Konzentration auf den eigenen Bewegungsablauf, ohne sich durch die Salven der Nachbarn ablenken zu lassen. Durch die Verschmutzung der Waffe kaum zu vermeidende Störungen und Wiederholungen erhöhen den Nervenkitzel zusätzlich. Der komplette Bewegungsablauf der Schützen ist automatisiert und fast schon rituell, um ja keine Unregelmäßigkeit einschleichen zu lassen. Das geht vom sorgfältigen In-die-Hand-nehmen der Waffe bis hin zum imaginären sechsten Schuß neben der letzten Scheibe, um nicht vorzeitig (innerlich) abzusetzen und einen Tiefschuß auf Scheibe 5 zu riskieren. Rechtsschützen beginnen übrigens stets auf der rechten der fünf Scheiben und wandern nach links, Linksschützen umgekehrt von links nach rechts – so verdeckt die Schießhand die anderen Scheiben nicht, was zur Orientierung der korrekten Anhalte-Höhe wichtig ist. Die früheren Fünfer-Drehanlagen wurden durch moderne Elektronik-Ziele mit Ampel-Schaltung ersetzt (zur Funktionsweise siehe Sportpistole). Nach Olympia 2004 wurde das Kaliber auf .22 l.r. umgestellt, und spezielle Handschuhgriffe sowie Gasentlastungsbohrungen wurden untersagt, um die Leistungen wieder auseinanderzuziehen. Im Grunde starten daher die OSP-Schützen - in Peking erstmals olympisch - ebenfalls mit KK-Sportpistolen, nur daß der Abzug wegen der höheren mechanischen Belastung anders eingestellt wird. Der dreifache Olympiasieger Ralf Schumann aus Stockheim (Foto) geht bei seinem sechsten(!) Olympiastart zwar als Favorit ins Rennen, seit dem Frühjahr bekam er aber plötzlich Konkurrenz aus dem eigenen Lager: Christian Reitz aus Löbau stellte beim Weltcup 2008 in Mailand einen neuen Finalweltrekord auf, nachdem er Schumann geschlagen hatte.
Waffen: Auch nach dem Wegfall der "Pistölchen" in .22 kurz durch die Regeländerung konnte sich die italienischen Pardini-Modelle mit der neuen SP 1 RP (für Rapid Fire) weltweit behaupten. Das mag daran liegen, daß der weltbeste Schütze Ralf Schumann (wie sein Formel-1-Namensvetter Michael) bei den Italienern mit in die Konstruktion einstieg und auch andere Top-Schützen ihre Erfahrungen aus der Praxis beisteuerten. Der Abzugswiderstand muß 1000 g betragen, sechs bewegliche Stahlbolzen im Vorderteil dämpfen den Rückstoß, so daß man die Pistole exakter von einer Scheibe zur nächsten benachbarten weiterführen kann.
Kaliber: .22 long rifle (mindestens 250 m/s an der Mündung) Entfernung: 25 Meter
(fünf Scheiben nebeneinander pro Schütze im Abstand von 75 cm zwischen den Scheiben-Längsachsen) Größe der Zehn: 100 mm Ringabstand: 40 mm Anschlag: stehend einhändig frei Ablauf: zwei identische Halbprogramme zu 30 Schuß in der Qualifikation, Beginn der 2. Hälfte erst, nachdem alle Teil 1 absolviert haben — jeweils zwei Fünf-Schuß-Serien in 8, 6 und 4 Sekunden. NEU: Im Finale nochmals vier Fünfer-Serien in je 4 Sekunden (Zehntel-Wertung) Maximale Ringzahl: 600 Ringe (plus 109,0 Final-Ringe)
Pardini SP 1 RF (Werksfoto)
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