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19. Mai 2010

Leichter Anstieg der Waffenkriminalität?

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat gestern die Polizeiliche Kriminalstatistik (kurz PKS) für das vergangene Jahr veröffentlicht.


Thomas de Maizière
Das Jahr 2009 wird für die meisten Besitzer legaler Schusswaffen, gleichgültig ob Sportschützen, Jäger, Sammler oder berufliche Waffenträger, mit einer bislang unbekannten Medienhetze gegen sie verknüpft werden - ausgelöst durch ein schreckliches Verbrechen, den Amoklauf des 16jährigen Tim Kretschmer, der am 11. März 2009 in Winnenden 15 Menschen und schließlich sich selbst erschoss. Das daraufhin in vielen Punkten, besonders bei Aufbewahrung, Bedürfnis und Kontrollen, verschärfte Waffengesetz wird erst für 2010 signifikante Änderungen in der Statistik zeigen - wie aber war die Situation 2009, was sagen die nackten Zahlen?

Insgesamt gab es 38856 Straftaten gegen das Waffengesetz, das waren 779 mehr (oder plus 2 Prozent) als 2008. Gleichzeitig sank die Aufklärungsquote von 94,5 auf 93,5 Prozent. Die Erläuterung des BMI dazu: "Der seit 2003 rückläufige Trend bei der Verwendung von Schusswaffen konnte im Jahr 2009 nicht mehr beobachtet werden. Während im Jahr 2008 in 6.994 Fällen mit einer Schusswaffe gedroht wurde, waren es im Jahr 2009 7.142 Fälle, was einem Anstieg von 2,1 Prozent entspricht. In 5.913 Fällen wurde geschossen (2008: in 4.371 Fällen *).
Bei gefährlicher und schwerer Körperverletzung nahm die Zahl der Fälle, in denen geschossen wurde, gegenüber dem Vorjahr um 1,3 Prozent auf 1.098 Fälle zu, bei Raubüberfällen hingegen um 13,3 Prozent auf 150 Fälle ab. Die Zahl der Raubüberfälle, bei denen mit einer Schusswaffe gedroht wurde, nahm gegenüber dem Vorjahr um 10,6 Prozent auf 3.876 Fälle zu.

*) Seit 2009 ist bei Straftaten gegen das Waffengesetz die statistische Erfassung „mit Schusswaffe geschossen“ möglich. Dadurch erhöht sich die Anzahl der Fälle.

Die Zahlen sagen aber auch etwas aus über die diversen Thesen, die zur Verschärfung führten. So sank etwa die Zahl der bei "Diebstahl ohne erschwerende Umstände" entwendeten Waffen von 371 in 2008 auf 359, was einen Rückgang von 3,2 Prozent ausmacht - werden also wirklich so viele Waffen gestohlen wie immer von Politik, Polizeigewerkschaften und Medien behauptet? Offenbar nicht. Denn auch der "Diebstahl unter erschwerenden Umständen" blieb mit 601 Fällen in 2008 wie 2009 konstant.

Angestiegen sind die Straftaten gegen das Sprengstoff-, das Waffen- und das
Kriegswaffenkontrollgesetz: 41653 Fälle (plus 2,9 Prozent), im einzelnen:
- gegen das Sprengstoffgesetz: 2242 (2009) statt 1919 (2008), plus 16,8 Prozent
- gegen das Waffengesetz: 38856 Fälle, plus 779 oder 2,0 Prozent
sowie (bemerkenswert):
- gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz von 466 auf 555 Fälle, plus 19,1 Prozent

Zu berücksichtigen bleibt hier allerdings die Verschärfung des Waffengesetzes von 2008, was etwa bestimmte Messerarten und deren Führen in der Öffentlichkeit angeht - auch das schlug sich in der gestiegenen Zahl der Straftaten nieder.

Ulrich Eichstädt

Die gesamte PKS 2009 kann hier als PDF-Datei heruntergeladen werden

Zur Pressemitteilung des Bundesinnenministeriums








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