Ein Titel, der — das sei unbescheiden behauptet — einfach passt: Aus der von Technik-Genie John Moses Browning federführend konstruierten Colt-Pistole M 1911 entwickelte sich in den vergangenen 98 Jahren der Welt erfolgreichste, langlebigste und am häufigsten variierte Kurzwaffenfamilie.
Das alles sichert der im Kaliber .45 ACP eingeführten Pistole mit dem Hahnspanner-Schloss ihren Platz in den Geschichtsbüchern. Doch nur dadurch erklärt sich nicht, warum der seit Jahrzehnten eigentlich veraltete Pistolentyp immer noch fröhliche Urständ feiert, warum grenzüberschreitend Firmen, Büchsenmacher und Tuner mit Hingabe ständig neue Versionen davon respektive Zubehörteile dafür anfertigen und warum die Fangemeinde von Sammlern und Schützen des alten Colt-Browning-Entwurfs völkerverbindend überall in der Welt zu finden ist. Eine Ursache der Faszination liegt sicher im Design und seiner Herkunft. Die charakteristische Form der 1911er Pistolen mit dem vom Verschlussgehäuse umfassten Lauf und dem in sanftem Winkel geneigten Griff mit den zwei unverwechselbaren Paneelen ist so eindeutig amerikanisch wie das Weiße Haus, die Kurven von Jennifer Lopez oder ein “Muscle Car” à la Ford Mustang, Oldsmobile 442 oder Pontiac GTO.
Das heißt, das war einmal so. Denn wie alles, was wirklich gut ist, sich universell nutzen lässt und überall geschätzt wird, hat sich dieser Waffentyp rund um die Erde fest etabliert. Möglich, dass ihn das Militär vor gut einer Generation aufs Altenteil verbannt hat. Doch prompt machte sich der Oldie mit jugendlich anmutendem Elan zu seiner zweiten Karriere auf. Blickt man einmal auf das aktuelle Angebot (von “Überblicken” kann angesichts der schieren Masse keine Rede sein), dann nimmt der in der Belle Époque kreierte Pistolentyp gerade kraftvoll Anlauf für den Sprung in sein zweites Jahrhundert. Das aber beschränkt sich nicht nur auf die zivile Welt, sondern es betrifft auch die der Behörden und Soldaten, zumindest in einigen Nischen. Denn da hat die “Nineteeneleven” längst ihr Comeback erlebt.
Von alldem will dieses Sonderheft erzählen. Davon, wie es zu dieser Pistolenart kam, wie sie sich entwickelt hat und welchen Variantenreichtum es gibt; inzwischen reicht das sogar bis ins Feld der Softair-Ausführungen. Es geht also ums Sammeln, aber ebenso auch ums Schießen sowie ums Veredeln und das Gewusst-wie bei der Handhabung. Und natürlich auch um das, was die Government-Pistolen neben dem beabsichtigten militärischen Nutzen vom Start weg getan haben: Sammlern und Schützen Freude zu bereiten — nicht zuletzt darin liegt auch der Zweck dieses Heftes.
Umfang 116 Seiten, Preis 9,50 Euro. Das VISIER-Special 55 “Pistolen-Familie Colt M 1911 Government” ist seit dem 20. November im Handel, im VISIER-Online-Shop oder auch direkt ab Verlag erhältlich: (02603) 5060-102 oder -104, Fax: -103, E-Mail:vertrieb@vsmedien.de