
im Mai 2009
Grosskaliber-Schießen: Mehr als nur "herumballern"
Von den Grünen bis zur SPD: Viele Politiker fühlen sich berufen, mal ohne jede Fachkenntnis festzulegen, was nun Sportschießen ist und was nicht - letzteres muß natürlich umgehend verboten werden. Wo kämen wir denn da hin, wenn sich Politiker vor dem Reden erst informieren müßten?
VISIER möchte dem abhelfen und einmal zusammenstellen, welche Grosskaliber-Disziplinen denn die einzelnen anerkannten Schießsportverbände betreiben, viele davon auch international und mit großem Erfolg.
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 | (zum Bild "Nationalteam-Schütze Zentralfeuer-Pistole" bitte DSB-Logo anklicken)
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Deutscher Schützenbund (DSB)
Der größte deutsche Schießsportverband (1861 gegründet, 1,5 Mio Mitglieder in 16.000 Vereinen, viertgrößter deutscher Sportverband nach Fußball, Tennis und Turnen) stellt zwar auch die Starter für die Olympischen Spiele, bei denen seit 1972 nur noch mit Kleinkaliber und Druckluft geschossen wird, abgesehen von den Flinten-Disziplinen auf Wurfscheiben. Die Reduzierung erfolgte aber nicht aus "Abrüstungsgründen", sondern weil viele ausrichtenden Länder keinen Etat für Großkaliber-Schießstände für 100 und mehr gleichzeitig startende Schützen hatten. KK und Luftgewehr und Luftpistole sind billiger und platzsparender. Im Jahr 2010 richtet der DSB allerdings auf der Olympia-Schießanlage in Garching bei München die Weltmeisterschaften für den Dachverband ISSF aus, und hier gehören das 300-Meter-Schießen und die Zentralfeuer-Sportpistole (beides Großkaliber) wie bei allen WM und Europameisterschaften zum Programm. Der DSB hat zudem seit einigen Jahren zwei auch international startende Teams, im Großkaliber-Gewehrschießen (Damen und Herren, Kaliber bis 7,62 mm) und mit der Zentralfeuerpistole (Herren, Kaliber 7,62 bis 9,65 mm), die an den Europacups teilnehmen und regelmäßig Medaillen mit heimbringen. In Relation gesetzt schießen sicher genauso viele DSB-Mitglieder international bei Großkaliber-Wettbewerben mit als die meist 2-3 Starter pro olympischer Disziplin, die bei Weltcups und großen Meisterschaften im Ausland starten. Hinzu kommen - auch das ist waffenrechtlich Grosskaliber - die seit Jahrzehnten weltbesten Schwarzpulverschützen aus Deutschland, die mit Vorderladerwaffen die internationalen Meisterschaften dominieren.
Harriet Holzberger, einer der erfolgreichsten DSB-Gewehrschützinnen auf 300 m
Bund Deutscher Sportschützen (BDS)
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 | (Für Bild des IPSC-Schützen Heribert Bettermann bitte aufs BDS-Logo klicken)
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Der wie der BDMP im Jahr 1975 gegründete Verband (weil der DSB das Großkaliberschießen aus dem Programm genommen hatte) weist heute etwas über 50.000 Mitglieder aus, die weitgehend nur Grosskaliber-Disziplinen schießen (und die somit durch ein GK-Verbot vor einem Hobby-Verbot stehen würden).
Zur Verbands-Website
Im BDS wird mit Kurzwaffen (Pistole und Revolver), Gewehren (Einzellader, Repetierer, Halbautomaten) und Flinten geschossen, und zwar in verschiedenen Kalibern und mit oder ohne optische Zielhilfen (Zielfernrohr, Leuchtpunkt-Zielgerät - keine "Laser", die sind nach dem Waffengesetz für Sport- und Jagdwaffen aller Art untersagt). International ist der BDS durch die Silhouetten-Schützen vertreten und vor allem durch die IPSC-Schützen. Die Abkürzung des in den 70er Jahren in den USA entwickelten Sports steht zwar für "International Practical Shooting Confederation", aber aus dem damaligen praktischen Training für berufliche Waffenträger hat sich auch international heute ein Leistungssport entwickelt, der keinerlei "Praxisbezug" mehr zum Combatschießen aufweist (was im übrigen für deutsche Waffenbesitzer streng untersagt ist, auch wenn Gabriele Fograscher (SPD) dies am 23. April vor dem Bundestag anders dargestellt hat). Das beginnt bei den sperrigen, mit Zielgerät, Kompensatoren und vergrößerten Bedienelementen auf den reinen Wettkampfzweck ausgelegten Pistolen und Revolvern und geht über die offenen Spezialholster bis zum genau dem Waffengesetz entsprechenden, vorher festgelegten Ablauf. Entsprechend haben sich nicht nur in den USA die beruflichen Waffenträger (Polizei, Militär, Security-Leute) vom IPSC-Verband abgetrennt und ihren eigenen Verband gegründet (International Defence Pistol Association, IDPA). Die Grundlage der deutschen IPSC-Wettkämpfe (inzwischen auch mit Gewehr und Flinte) ist die Kombinationswertung aus den erzielten Treffern und der benötigten Zeit - es kommt also sowohl auf die Präzision wie auf die eingeübte Flüssigkeit der Bewegungen an. Der BDS hat eine eigene Info-Website zum IPSC veröffentlicht.
Die historische Komponente, Ursprung allen heutigen Sportschießens, repräsentieren die BDS-Schwarzpulverschützen ebenso wie die Western-Schützen. Das Westernschießen, das gemeinsam mit IPSC hauptsächlich von der SPD als "Bewegungs- und Kampfschiessen" verunglimpft wurde, ist ein international anerkannter Sport, in dem in den USA sogar zahlreiche Berufssportler aktiv sind - niemand käme außer in Deutschland auf die Idee, daß jemand mit einer Winchester, einer zweischüssigen "Stagecoach"-Flinte oder einem sechsschüssigen Colt Single Action Army für den nächsten Bankraub, Amoklauf oder einen Angriff auf gut ausgerüstete "moderne" Spezialeinheiten trainieren würde...
Geschossen wird beim BDS grundsätzlich auf Ringscheiben, einige Wettbewerbe auf Symbolscheiben (Quadrate, Kreise, Dreiecke) oder auf sogenannte Klappscheiben, die bei einem Treffer umfallen. Wer das bereits wieder als Killertraining interpretiert, sollte sich mal das Kaliber der Kugel und die Form der Ziele beim Bowling oder Kegeln anschauen...
Silhouetten-Schütze im Anschlag auf Stahlklappziele
Bund der Militär- und Polizeischützen (BDMP)
Der martialisch klingende Name des 1975 gegründeten, in Paderborn ansässigen Verbands (etwa 30000 Mitglieder) ist heute Geschichte, auch Zivilisten dürfen an den Schießwettkämpfen teilnehmen. Wie alle vom Bundesverwaltungsamt überprüften und anerkannten Schießsportverbände in Deutschland wurde auch das BDMP-Sporthandbuch mit allen Disziplinen offiziell zugelassen (ein typischer Jahres-Terminkalender). Hierbei handelt es sich hauptsächlich um Grosskaliber-Wettkämpfe mit Gewehren, Pistolen, Revolvern und Flinten. Der BDMP bietet auf Distanzen von 50 bis 1000 m (Long Range) insgesamt 17 Gewehr-Wettbewerbe an, hinzu kommen noch fünf Flinten-Disziplinen. Die Long-Range-Wettbewerbe der "F-Class" (Einzellader- und Repetiergewehre bis Kaliber 8 mm) können wegen den extrem weiten Distanzen (300 bis 1200 Yards, in 100-Yards-Schritten mit je 15 Schuss, ein Yard = 0,914 m) fast nur im Ausland geschossen werden.
Bei den Kurzwaffen-Disziplinen dürfte der PPC 1500 der bekannteste Wettkampf sein, ein aus dem Polizei-Training stammendes Programm, aber auf zivile Ziele und unterschiedliche Distanzen. Hier finden seit Jahren Europa- und Weltmeisterschaften mit starker internationaler Beteiligung statt, etwa im August 2009 die Weltmeisterschaft in Philippsburg. Geschossen wird hier mit Revolvern und Pistolen ab Kaliber .30 (7,62 mm) und offener Visierung (Kimme, Korn)
Auch im "Bianchi-Cup", einem aus den USA stammenden hochdotierten Einladungsturnier, gehören die BDMP-Starter zu den weltbesten Schützen - das BDMP-Team war mehrfach Mannschaftsweltmeister, Schützen wie Heribert Bettermann oder Jens Bork sammelten hier auch im Mutterland USA viele Medaillen. Aus dem Polizeitraining wurden noch mehrere andere Wettbewerbe in den zivilen Schießsport umgesetzt (ähnlich wie Biathlon oder Moderner Fünfkampf militärischen Ursprungs sind), etwa die Wettkämpfe Police Pistol oder EPP (Europäischer Präzisions-Parcours).
Vera Koo (USA, links) und Doris Siebert (BDMP), EM Bianchi 2007
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